Archiv für Worte

Die Unterschrift

Posted in Geschichten Allgemein with tags , , , , , , on 4. November 2021 by Wortman

In vier Wochen hatte der Killer insgesamt fünf Menschen getötet. Er ging dabei sehr brutal und perfide vor. Die Opfer wurden geköpft und aufrecht an Wänden, Pfählen oder Bäumen hingesetzt. Danach setzte er ihnen einen ausgehöhlten Kürbis auf in dem eine große Kerze brannte. Die Arme wurden auf den Oberschenkel gelegt und die hände dienten als Stütze für den abgeschnittenen Kopf. Der schaute zum Kürbis auf. Der Kommissar hatte diesen Aufbau mit „schau dir mein Kunstwerk an“ kommentiert.
Dieser Serienkiller schien sehr geplant vorzugehen. Solch eine Inszenierung brauchte Zeit und er musste sich sicher sein, dass die Ecken, wo er seine Opfer in der Nacht hinsetzte, kaum oder gar nicht frequentiert wurden.
Ein Schema hatte der Kommissar bei den Morden entdecken können. Der Serienkiller zählte rückwärts. Wenn der Abstand der Morde kein Zufall war, musste in drei Tagen das nächste Opfer sterben. Drei Tage waren nicht wirklich beruhigend, da man nicht wirklich voraussagen konnte, wo er als nächstes zuschlägt. Die Orte, wo die Opfer zuletzt gesehen wurden, schienen kein Muster aufzuweisen.
Der Kommissar war hin und her gerissen, da seine Vorgesetzten verlangten, dass er diverse Lockvögel einsetzen sollte. Er mochte diese Art der Verbrecherjagd nicht, da er mit den Jahren schon zwei Freunde und Kollegen verloren hatte. Solche Aktionen waren immer kitzlig, da sie nie perfekt vorgeplant werden konnten. Man musste immer mit Unwägbarkeiten rechnen.
Letztendlich blieb ihm nichts anderes übrig, als seine Unterschrift unter den Einsatzbefehl zu krakeln.

© 2021 T.R. aka Wortman

Duppy

Posted in Horror/Grusel with tags , , , , , , on 1. Oktober 2021 by Wortman

„Ich werde euch nun beweisen, daß das alles nur Humbug ist“, rief Thomas seinen Freunden zu. Die Beiden lachten und folgten ihm zu einer der Grabreihen.
„Es wird gesagt, man muß dreimal den Namen rufen, und dann erscheint dieser Geist“.
Er stellte sich vor einem der Gräber hin und rief: „DUPPY!“ Thomas holte tief Luft. „DUPPY!“ Nachdem er den Namen schon zweimal ausgesprochen hatte, begann ein Wind über den Friedhof zu wehen.
„Zufall“, dachte er und rief ein drittes Mal: „DUPPY!“
Der Wind wurde stärker.
„Seht ihr meine Freunde, nichts passiert hier!“ Thomas drehte sich zu seinen Freunden, die hinter ihm standen, um: „Laßt uns gehen. Das war’s!“
Im gleichen Augenblick hörte er hinter sich ein seltsames Geräusch. Als er in die Gesichter seiner Freunde blickte, sah er wie sie die Augen aufrissen, sich kurz anschauten und sich im gleichen Moment umdrehten und wegliefen.
Langsam drehte er sich um.
Aus der Erde kamen zwei knochige Hände hervor. Dieser Anblick fesselte ihn so sehr, daß er nicht einmal auf die Idee kam, wegzulaufen. Langsam kam nun ein Kopf und der Oberkörper zum Vorschein. Ein modriger Geruch breitete sich langsam aus. Es dauerte nicht lange, und vor ihm stand eine knochige Gestalt, deren Haut ohne einen Hauch von Fleisch an den Knochen hing. Der Geruch war nun kaum noch auszuhalten. Die Gestalt schaute ihn aus leeren Augen an.
„Ich bin der Duppy! Du hast mich gerufen. Was willst Du?
Die Prophezeiung seiner Großmutter, keine Spielchen mit Mythen zu treiben um die Konsequenzen nicht tragen zu müssen, hätte Thomas lieber ernst nehmen sollen. Das ging wohl anständig daneben…

© 2001/2021 T.R. aka Wortman

Eine Überlegung

Posted in Geschichten Allgemein with tags , , , , , , on 18. Juni 2021 by Wortman

Der Abend gestern lief wieder völlig anders als erwartet. Der Streit eskalierte dermaßen, das der blöde Kerl am Ende auf der Strecke blieb.
Jetzt leben wir allerdings in Deutschland und nicht in Amerika. Hier kann man nicht mal eben alles problemlos kaufen, was man vielleicht dafür gebrauchen könnte.
Viele Dinge funktionieren auch nur in Filmen so gut und nicht in der Realität.
Was soll ich tun?
Als Frau kann ich ihn schlecht in eine Picknickdecke einrollen, über die Schulter werfen und ungesehen zum Auto bringen. Ganz davon abgesehen, dass mein Kofferraum auch viel zu klein dafür wäre.
Also erst einmal ans Laptop und recherchieren, was man tun kann. Diverse Sachen habe ich da gefunden.
Letztendlich fand ich die Idee mit der Einbalsamierung als anatomische Fixierung interessant. Da kann ich mir den Kerl als abschreckendes Beispiel in eine Vitrine stellen.
Bleibt nur die Frage, bekomme ich ungehindert Ethanol, Glycerin, Formaldehyd und andere Dinge problemlos in der Apotheke?
Verwegen ist die Idee ja schon aber will ich mir das auch wirklich alles antun?

© 2012/2021 T.R. aka Wortman

Die Baracke

Posted in Horror/Grusel with tags , , , , , , on 5. Juni 2021 by Wortman

Das Wetter war gar nicht lau. Die Hitze brannte auf unsere Körper herunter und man hatte das Gefühl, man würde gleich anfangen zu dampfen.
Wir kamen an einer halb verfallenen Baracke an. Wir gingen durch die kaputte Tür ins Innere.
Der Anblick verschlug uns die Sprache.
Auf der einen Seite der Wand saßen oder lagen mehrere Skelette. Das allein war schon schrecklich, aber was sich im Rest des Raumes offenbarte, überstieg fast unsere Vorstellungskraft. In der Mitte des Raumes stand ein längerer, brauner Tisch auf dem ein Skelett lag. Ein Fleischermesser steckte in der Tischplatte. Dahinter in der Ecke des Raumes ein Knochenhaufen menschlicher Skelette.
Was mochte den Opfern widerfahren sein? Ich betete zu unserem Schöpfer, dass dieses Szenario nicht das war, wonach es aussah.
Was mich irritierte: Im ganzen Raum fanden sich weder Wertgegenstände, Kleidung oder andere Dinge. Nur ein Korsett lag, wie ein makaberer Scherz, unter dem Tisch.

Wir begruben die Überreste im Sand.

© 2012/2021 T.R. aka Wortman