Archiv für Horror

Das alte Schiff

Posted in Horror/Grusel with tags , , , , , , on 5. Juni 2022 by Wortman

Andrea hatte ihre Wohnung verloren und sollte diese auch noch besenrein verlassen. Eigentlich hätte sie rebellischer sein sollen. Hätte sie doch die Wohnung einfach so gelassen. Was soll´s. Sie war halt doch einfach zu gut erzogen.
Ein gutes hatte es. Da sie pleite, arbeitslos und wohnungslos war, würde sie jetzt gehörig abspecken. Somit würde es nur Tütensuppen und trocken Brot geben.
Sie sollte zum Yachtclub gehen. Vielleicht könnte sie bei jemandem anheuern. Hier hielt sie nichts mehr. Was blieb ihr übrig? Andrea grübelte während sie mit ihren sieben Sachen langsam Richtung Hafen lief.
Als Andrea durch ihr Adressbuch im Smartphone ging, scrollte sie auf die Nummer ihrer Eltern und ihr Daumen schwebte darüber. Ein „Pft“ entfleuchte ihr.
„Ich gehe erstmal zum Hafen. Ich schau mal was es da gibt.“
Andrea schlurfte perspektivlos Richtung Hafen. Dort angekommen war es neblig und schon diesig. Eine Gänsehaut kroch ihr über den Rücken. „Wie gruselig“. Ein altes Schiff erschien aus dem Nebel vor ihr. Es war ziemlich heruntergekommen und die Segel waren zerfetzt. Aber am grausigsten war der Anblick der Galionsfigur. Eine Meerjungfrau. Ihr Schwanz war abgebrochen, ihre Arme nur noch Stummel. Und ihr Gesicht – es war bestimmt mal hübsch – war jetzt entstellt.
Traurig streckte Andrea ihre Hand in Richtung der Meerjungfrau.
„Du Arme – was ist dir den wiederfahren?“
„Der Fluch.“ Raunte es. Andrea zog erschrocken ihre Hand zurück. Drehte sich um und wollte rennen. Aber sie wurde von irgendetwas zurück gehalten. In ihren Ohren rauschte es. „Der Fluch – bis zu dem Zeitpunkt, bis ich jemanden treffe, der Mitleid hat – dann bin ich frei. Es tut mir leid.“ Das war das letzte was Andrea hörte. Seit dem wurde sie nicht mehr gesehen. Dieses alte Schiff erscheint manchmal verirrten Seefahrern und alle bewunderten diese hübsche, aber traurig aussehende Galionsfigur.

© 2022 Rina

The Nun

Posted in Filme/Serien with tags , , , , , , , , , , , , , , on 4. Juni 2022 by Wortman

Rumänien Anfang der 50er Jahre: In einem abgeschiedenen Kloster begeht die junge Nonne Victoria Selbstmord und der Fall schlägt hohe Wellen. Sogar der Vatikan ist daran interessiert, den mysteriös erscheinenden Todesfall zu untersuchen, und entsendet den Priester Burke. Begleitet wird Burke, der nach einem traumatischen Erlebnis mit seinem Glauben hadert, von der Novizin Irene, die als junges Mädchen Visionen von einer unheimlich aussehenden Nonne hatte.
Vor Ort erfährt Burke von einem Dämon, den die Bewohner des Klosters seit vielen Jahrhunderten fürchten…

Quelle: Youtube
© Atomic Monster, New Line Cinema, The Safran Company

Feria: Dunkles Licht Staffel 1

Posted in Filme/Serien with tags , , , , , , , , , , , , , , , , on 18. April 2022 by Wortman

Die 90er-Jahre in einem kleinen Dorf in Andalusien: Das Leben der zwei Schwestern Sofia und Eva verläuft scheinbar ganz normal, bis sie die Entdeckung machen, dass ihre Eltern Mörder sind. Allem Anschein nach haben die Mutter und der Vater das Leben von 23 Menschen auf dem Gewissen und sind seit dem unheilvollen Sektenritual, bei dem es zu den Tötungen kam, selbst spurlos verschwunden.
Während die Geschwister auf der Suche nach Antworten sind, kommen sie einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur, das die Dorfgemeinschaft mit aller Macht vor ihnen zu verstecken versucht…

Die Serie läuft auf deutsch bei Netflix.

Quelle: Youtube
© Filmax, Netflix

Die weiße Frau

Posted in Horror/Grusel with tags , , , , , , , , on 13. April 2022 by Wortman

In dem Weiler, in dem ich aufwuchs, gibt es eine Legende. Es geht um eine Weiße Frau. Im Gegensatz zu den anderen Legenden der Weißen Frau, die vor allem in Schlössern europäischer Adelsfamilien spucken, ist die aus unserem Ort nicht adelig. Zudem weiß keiner, woher sie kam. Die Legende wird schon seit so vielen Jahrhunderten erzählt, dass die ursprünglich Geschichte niemandem mehr bekannt ist. Als Kinder erzählte man uns, dass wir bei Nebel nicht auf die Straßen durften. Dann wanderte sie durch den Ort und tötet alle Menschen, denen sie begegnete. Zu meist die Männlichen, da diese eher draußen sind. Wir hatten oft Nebel. Es ist ein sumpfiges Gebiet mit einigen Tümpeln und einem großen Weiher. Keiner wusste, aus welchen dieser Gewässer sie kam. Es waren sich lediglich alle einig, dass sie daraus kam und nicht aus einem Wald oder so. Später als wir etwas älter waren, glaubten wir, man wollte uns Kindern einfach nur Angst machen. Unsere Eltern wollten verhindern, dass wir im Nebel versehentlich in eines der Gewässer fielen und starben. Trotzdem gingen wir nur nach draußen, wenn kein Nebel herrschte. Da die Älteren das auch taten, folgten wir ihrem Beispiel. Neugierig schaute ich bei Nebel aus dem Fenster. Doch ich habe sie nie gesehen.

Irgendwann zogen meine Eltern und ich in die nächste Großstadt. Wir besuchten unser Dorf nur, um meine Großmutter zu sehen. Aber auch das kam selten vor. Manchmal mache ich mir Vorwürfe, dass ich sie nicht öfters gesehen habe. Aber ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Meine Eltern sind inzwischen gestorben. Bei einem Autounfall, als sie meine Großmutter besuchten und rate mal: Der Unfall geschah während eines Nebels. Wenn man mit den Geistergeschichten aufgewachsen ist, würde man wohl mehr dahinter vermuten. Aber ich wollte das nicht glauben. Noch nicht.
Kurz darauf zog ich in eine andere Stadt zum Studieren. Dort lernte ich auch meine Freundin, jetzige Frau, kennen. Die ersten Jahre unserer Beziehung bin ich immer alleine zu meiner Großmutter gefahren. Es war nicht so, dass meine Freundin nicht wollte, aber bei uns im Dorf sind die Menschen Fremden gegenüber etwas … sagen wir seltsam.

Nach drei Jahren Beziehung, wir wohnten inzwischen zusammen, wollte sie meine Großmutter kennenlernen. Das wollte sie zwar früher auch schon, aber ich hatte immer ein schlechtes Gefühl, sie mit in dieses seltsame Dorf zu nehmen. Dieses Mal dachte ich, wäre die Zeit dafür reif. Vor allem, weil meine Großmutter sie auch endlich kennenlernen wollte.

Auf der Fahrt zum Weiler, in dem meine Oma wohnte, erzählte ich ihr von der Legende der weißen Frau. Nicht weil ich ihr Angst machen wollte. Nein, ich wollte nur verhindern, dass sie von dem Aberglauben überrollt wird. Für mich war es damals noch Aberglaube, da ich die weiße Frau nie gesehen hatte.
Sie rollte mit den Augen. »Solche Geistergeschichten glaubt man wahrscheinlich auch nur noch auf dem Land.«

Wir lachten beide, obwohl es sich für mich falsch anfühlte.

Meine Großmutter begrüßte uns beide überschwänglich. Sie freute sich immer, wenn ich kam. Ich war die einzige Familie, die sie noch hatte. Bei Kaffee und Kuchen unterhielten wir uns erst einmal ganz normal. Es war mir etwas peinlich, dass sie meine Freundin ausfragte, aber wohl besser, als wenn sie kein Interesse an ihr zeigte. Als ich ihr erzählte, dass wir nachher noch zum Weiher gehen wollten, verfinsterte sich ihre Miene. Sie erzählte, dass es in letzter Zeit gegen Abend Nebel gab und erzählte die Geschichte der Weißen Frau. Glücklicherweise rollte meine Freundin nicht mit den Augen, wie sie es im Auto tat. Stattdessen nickte sie ernst und tat so, als würde sie die Sorgen meiner Großmutter ernst nehmen. Oma nahm uns das Versprechen ab, dass wir vorsichtig sein sollten und sobald Nebel aufkam, auf dem schnellsten Weg zurück in ihr Haus kamen. Sie wollte noch ein gutes Abendessen vorbereiten. Auf das freute ich mich besonders, da sie eine sehr gute Köchin war. Ich hatte das Talent leider nicht geerbt.

Meine Freundin und ich schlenderten durchs Dorf. Ich zeigte ihr, wo meine Freunde früher lebten. Als wir von hier wegzogen, hatte ich kaum noch Kontakt zu einem. Viel mehr zu sehen gab es nicht. Trotz der Größe gab es eine Kneipe und eine Kapelle. Der Rest des gesellschaftlichen Lebens spielte sich eher im Hauptort der Gemeinde ab.

Am Weiher angekommen, erzählte ich ihr, dass ich mit meinen Freunden hier in der Grundschule angeln war. Ich die Fische aber aus Mitleid wieder zurück ins Wasser warf. Das fand sie irgendwie süß. Weiter hinten gab es einen kleinen Hügel mit Bäumen. Von dort hatte man die beste Aussicht. Also saßen wir uns dort an einen Baum gelehnt. Sie saß zwischen meinen Beinen und lehnte ihren Oberkörper an meinen. Wir genossen die Stille, die Nähe und wechselten kein Wort. Vielleicht haben wir auch rumgeknutscht und gekuschelt. Das weiß ich nicht mehr so genau. Irgendwann gingen wir etwas weiter in den Wald, wo man uns nicht so gut sehen konnten und liebten uns. In der Stadt, in der wir wohnten, war das in der Natur nicht so einfach möglich wie hier.
Nach dem Akt lagen wir Arm in Arm und keiner von uns wollte aufstehen. Wir hatten nur Augen für uns. Irgendwann bemerkte meine Freundin, dass Nebel vom Wasser her aufzog. Ich sprang auf und zog mich hektisch an. Sie sah mir nur verständnislos zu und fragte mich, ob ich den Aberglaube wirklich glaubte. Ich tat es nicht, aber ich war auch nicht scharf darauf es herauszufinden. Sie zog sich langsam an, während ich nervös umher schaute. Der Nebel wurde immer dichter. Als sie endlich angezogen war, nahm ich ihre Hand und eilte dorthin, wo ich das Haus meiner Großmutter vermutete. Wir hörten Krähen krähen und es lief mir eiskalt den Rücken runter.

Wir irrten durch den Nebel und sahen kaum die Hand vor den Augen. Ich war völlig orientierungslos. Wir hielten kurz an und schauten uns um, ob wir einen Hinweis auf das Dorf und die Richtung fanden. Doch es war überall gleich grau.
Meine Freundin zerrte mich am Arm, als ich überlegte, wohin es ging. In der Ferne war eine Silhouette, die für die Sichtverhältnisse gut zu sehen war. Wir konnten nicht erkennen, um was es sich handelte, es hatte die Form eines Menschen. Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Ich glaubte nicht mehr, dass es ein Mensch war, sondern ahnte um, was es sich handelte.
Meine Freundin wollte zu der Silhouette, in der Hoffnung, dieses Wesen wusste, wo es zum Dorf ging.

Ich packte meine Freundin am Arm und rannte los, in der Hoffnung nicht im Weiher zu landen. Wir irrten weiterhin im Nebel und die Silhouette schien uns zu folgen und immer näher zu kommen. Ich war außer Atem, meiner Freundin ging es nicht anders. Obwohl wir beide Sport trieben, waren wir so einen langen Ausdauerlauf nicht gewohnt. Es fühlte sich so an, als ob wir durch Wasser liefen. Du weißt schon, in einem Pool kann man sich nur langsam vorwärts bewegen, wenn man nicht schwimmt. Unsere Verfolgerin hingegen schien gut voranzukommen.

Als die Gestalt näher kam, konnten wir ihr Gesicht erkennen. Alles an ihr war weiß. Ihre Kleidung, Haut und Haare. Nur die Augen waren schwarz wie die Dunkelheit. Es war keine Pupille zu sehen. Somit sahen wir auch nicht, wohin sie sah. Wir waren erstarrt und konnten uns nicht bewegen. Ich weiß bis heute nicht, ob da eine Art Zauber im Spiel war oder nicht. Es war, als würde sie unsere Blicke anziehen, wir konnten einfach nicht wegschauen.

»Lass meinen Enkel und seine Freundin in Ruhe.« Hörte ich Großmutters Stimme leise hinter mir. Als riss sie mich aus einem tranceartigen Traum.

Ich drehte mich um und sah meine Oma mit einem Baseballschläger in der Hand. Sie schlug damit auf die weiße Frau ein und rief uns immer wieder zu, dass wir in ihr Haus gehen sollen. Sie würde sich darum kümmern.

Ich schnappte meine Freundin an der Hand und wir rannten so schnell wie möglich zurück ins Haus. Es war, als wäre ein Zauber gebrochen, denn wir fanden den Weg sehr schnell. Im Wohnzimmer ging ich nervös auf und ab während meine Freundin auf dem Sofa saß.

»Jetzt setz dich mal hin. Das macht mich ganz nervös.«

»Ich kann nicht. Erst, wenn ich weiß, dass Oma in Sicherheit ist.«

Als ich aus dem Fenster sah, bemerkte ich, dass sich der Nebel ganz langsam in Richtung Weiher zurückzog. Es sah aus, als ob im Meer die Ebbe einsetzt und das Wasser zurückging. Meine Großmutter war immer noch nicht da. Ich wusste nicht, ob sie erfolgreich war oder nicht.

Als der Nebel fort war, gingen wir nach draußen, um sie zu suchen. Wir riefen ihren Namen und neugierige Nachbarn schauten aus ihren Häusern. Wir erzählten ihnen, was passiert war, und sie halfen uns bei der Suche. Wir teilten uns auf, um sie schneller zu finden.

Nach kurzer Zeit kam einer der Nachbarn, die in der Nähe des Weihers suchten, außer Atem zurück.

»Deine Großmutter …«, keuchte er, »im Wasser.«

Ich war verwirrt und verstand nicht ganz, was er mir sagen wollte. Also rannten wir zum Weiher. Dort war der örtliche Arzt über den Körper meiner Großmutter gebeugt. Seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, hatte er keine guten Nachrichten. Sie erzählten uns, dass sie sie mit dem Gesicht nach unten auf dem Wasser treibend gefunden hatten. Obwohl sie sie schnell aus dem Wasser herauszogen, kam jede Hilfe zu spät. Ihr Tod wurde offiziell als Unfall eingestuft. Doch ich wusste es besser.

Wir blieben noch bis zur Beerdigung vier Tage später. In diesen gab es keinen Nebel mehr. Da ich alleiniger Erbe war, nahm ich mir Erinnerungsstücke aus dem Haus mit und beauftragte, einen Makler das Haus zu verkaufen. Ich wollte in dieses Dorf nie wieder zurückkehren. Als wir aus dem Dorf herausfuhren, sah ich im Rückspiegel, wie Nebel im Ort aufzog.

© 2022 Michael Bogenrieder, Kaminfeuergeschichten