Archive for the Geschichten Allgemein Category

Auf dem Dachboden

Posted in Geschichten Allgemein with tags , , , , , on 13. April 2021 by Wortman

Sie hob ihre Nase und schnüffelte herum. Sie konnte es deutlich riechen. „Mmh, lecker!“, dachte sie sich. Bevor sie es allerdings genießen könnte, müsste sie es zuerst finden. Das stellte sich als eine schwierige Aufgabe heraus, denn dieser Dachboden war vollgepackt mit Gegenständen. Sinnlose Gegenstände, wie sie fand. Sie krabbelte auf dem Boden umher und quetschte sich durch jede mögliche Lücke hindurch. Dabei versuchte sie möglichst leise zu sein, denn die Bewohner dieses Hauses hatten sie ungern als Gast. Sie konnte nicht ganz verstehen aus welchem Grund. Persönlich dachte sie, sie wäre eine angenehme Zeitgenossin.

Sie spähte hinter einem alten Koffer hervor und dort war es. Ganz begeistert eilte sie hin. Auf ihrer Zunge konnte sie das feine Aroma bereits schmecken, als alles plötzlich vorbei war. Man hörte ein Schnappgeräusch und das Licht war aus. So schnell es anfing, ging es auch zu Ende. Doch es gab einen Trost: Das Letzte, woran die Maus gedacht hatte, war, wie lecker der Käse schmecken würde.

© 2021 Andy Wirsz
Blog von Andy

Ei or die

Posted in Geschichten Allgemein with tags , , , , , , , on 7. April 2021 by Wortman

PENG! Lara rannte, so schnell sie konnte, als sie den Knall hörte. Der Garten war riesig und wunderschön. Überall waren Blumenbeete und Sträucher in bunten Farben. Große Eichen spendeten Schatten. Allerdings interessierte das Lara kein bisschen. Sie musste jetzt so viele Ostereier finden wie nur möglich. Und zwar schnell. Die letzten zwei Male hatte sie es immer geschafft, nicht letzte zu werden, was in dem Moment Erleichterung brachte, aber jeden Tag fing es wieder von null an.

Sie eilte von Busch zu Busch, schnell, aber akribisch. In jeder noch so kleinen Ecke könnte ein Ei versteckt sein. Der Osterhase war extrem clever mit der Auswahl seiner Verstecke. Im Augenwinkel sah sie Petra völlig außer Atem, sie war praktisch am Hyperventilieren. Schweißperlen liefen ihr das Gesicht herunter. Ihre Augen waren extrem weit geöffnet. Man hatte den Eindruck, sie hätte keine Augenlider mehr. Bisher war sie immer nur ein Ei davon weg gewesen zu verlieren. Aber Lara konnte sich jetzt nicht um andere kümmern.

Fünf Eier waren bereits in ihrem Korb. Genauso viele wie Petra. Lara blickte auf die digitale Stoppuhr an ihrem Handgelenk. Nur noch eine Minute. Sie wusste nicht mehr, wo sie suchen sollte. Alle anderen hatten schon so viele Eier gefunden, dass sie befürchtete, es gab keine mehr. Sich im Kreis drehend suchte sie den ganzen Garten ab. Die Ideen gingen ihr aus. Was würde passieren, wenn sie am Ende mit Petra im Gleichstand wäre? Dieses Szenario wollte sie nicht ausprobieren. Ihr Herz raste. Sie konnte es in ihrer Kehle pulsieren spüren. Plötzlich erblickte sie den Rosenbusch am Ende des Gartens, sie war sich sicher niemand hatte dort bisher nachgesehen. Neben ihr stand Petra. Sie sahen sich an. „Scheiße!“, dachte sich Lara. Im selben Moment rannten beide in Richtung des Buschs. Lara war noch nie in ihrem Leben so schnell gelaufen wie jetzt. Sie gab alles, sie suchte den letzten Funken Energie, den sie in sich hatte. Petra schien ihr gleichauf zu sein.

Zwei Meter vor dem Busch erspähte Lara das Ei. Es war rosa gefärbt. Dieselbe Farbe wie die Rosen, unter denen es versteckt war. In dem Moment war ihr die Ironie nicht bewusst, denn sie hatte nur eins im Kopf: Dieses verdammte letzte Ei in ihren Korb zu bekommen. Petra drängelte sich vor sie und war dabei, sich nach dem ovalen Gegenstand zu bücken. Ohne nachzudenken streckte Lara ihre Arme nach vorne aus und schubste ihre Mitstreiterin mit voller Wucht in den Busch. Die Dornen der Rosen stachen Petra direkt ins Gesicht. Einen Stachel bekam sie in ihr rechtes Auge. Dabei entstand ein komisches Geräusch, das Lara in ihrem Leben nie zuvor gehört hatte. Blut und eine weiße eitrige Flüssigkeit traten aus und tropften die kleinen Äste herunter. Petra kreischte vor Schmerzen.

Ganz unbeeindruckt, ja gar fröhlich griff Lara nach dem Ei und steckte es in ihren Korb. Im selben Moment läutete die Glocke. Die Zeit war abgelaufen. Mit einem eigenartigen Grinsen, das eher einem Blick der Verzweiflung ähnelte, drehte sie sich um. Ein Mann in einem komplett schwarzen Anzug kam in ihre Richtung gelaufen. Auf seinem Schädel trug er den Kopf eines Osterhasen. Der Hase mit dem großen Lächeln und den großen Augen stellte sich vor Petra, die inzwischen auf dem Boden saß. Sie hielt sich die Hand über ihr blutendes Auge und wimmerte. Der Mann zog eine Pistole hervor und schoss Petra ohne zu überlegen in den Kopf. Das Wimmern hörte auf einen Schlag auf und ihr regloser Körper fiel zu Boden. Der Osterhase wandte sich Lara zu und sagte: „Herzlichen Glückwunsch, du kommst in die nächste Runde!“

© 2021 Andy Wirsz
Blog von Andy

Dumm gelaufen

Posted in Geschichten Allgemein with tags , , , , , , , , , on 7. Februar 2021 by Wortman

Da standen meine besonderen Pilze vor der Tür und nun sind die weg.
Ich tippe auf den dämlichen Nachbarn. Traurig bin ich deswegen nicht.
Jetzt gehe ich schlafen, denn morgen gibt es bestimmt eine böse Überraschung.

© 2020 T.R. aka Wortman

Gefangen

Posted in Geschichten Allgemein with tags , , , , , on 25. September 2019 by Wortman

Da war es wieder. Wie er es haßte. Es, dieses leichte Vibrieren unter seinen Füßen. Jedesmal, wenn diese Vibrationen verstummten, dauerte es wieder nur Sekunden, bis etwas Metallisches in ihn eindrang. Manchmal auch sehr schnell hintereinander.
Dann wurde ihm wieder einmal bewußt, daß er wohl ewig gefangen war.
Wieder einmal versuchte er, was er für seine Beine hielt, in Bewegung zu setzen. Doch sie rührten sich nicht. Wie gerne würde er fortlaufen. Irgendwohin, wo es ruhig, friedvoll und schön war. Wo er nicht mehr mit diesen metallenen Dingern malträtiert wurde. Wo er ganz er selbst sein konnte.
Seine Augen. Jeder Versuch, etwas zu sehen, endete mit der Erkenntnis, wieder einmal nur seltsame, kleine bunte Bilder wahrzunehmen, die sie mochten. Sie, die ihm wieder einmal dieses Metall in seinen Körper steckten.
Er wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen. Die Vibrationen waren verstummt. Schon spürte er das Metall, wie es eindrang, langsam, dann immer schneller werdend, in seinem Körper nach unten rutschte. Dann durchdrang ihn der Schmerz eines Schlages. Er versuchte sich zurückzuhalten. Doch so sehr er sich auch bemühte, es hatte keinen Erfolg. Er mußte etwas aus seinem Inneren preisgeben. Es wurde ihm sofort weggenommen.
Das Vibrieren unter seinen Füßen entfernte sich wieder. Die Ruhe kehrte zurück. Eine trügerische Ruhe. Denn jederzeit konnten sie zurückkommen. Er träumte wieder von einem Ort, wo es friedvoll war.
Irgendwann werde ich auch dort sein!
Dieser Gedanke war es, der ihn all diese Qualen erdulden ließ.

Wer sagt, daß ein Zigarettenautomat keine Seele hat?

© 2001 by T.R. aka Wortman