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Robert E. Howard

Posted in Essays with tags , , , , , on 3. Juni 2016 by Wortman

Robert E. Howard   wurde am 22.01.1906 in Peaster, in Texas, geboren. Als er neun war, ließ sich seine Familie in Cross Plains in Texas nieder, einem kleinen Ort mit 1.500 Einwohnern. Dort verbrachte Howard den größten Teil seines Lebens.
Howard ging in Cross Plains zur Grundschule, danach in die High School in Brownwood und schließlich auf die Howard Payne Academy.
In jungen Jahren machte ihn sein frühreifer Intellekt, gerade in Texas, zum frühzeitigen Außenseiter. Eine Zeitlang blieb es ihm nicht erspart, dass er herumgestoßen wurde, doch dann, auch zweifellos aus diesem Grund verschrieb er sich dem Sport und der körperlichen Ertüchtigung. Er wurde ein bemerkenswerter Boxer und Reiter. Danach versuchte es keiner mehr, sich mit ihm anzulegen.
Als Erwachsener war er über 1,80 Meter groß und wog 90 Kilo, davon der größte Teil Muskeln, neigte aber ein bißchen zur Fettleibigkeit. Er war introvertiert, unkonventionell, launenhaft, hitzköpfig, neigte zu emotionalen Extremen, als auch zu heftigen Zuneigungen und Abneigungen.
Wie fast alle jungen Schreiber, las er, was ihm in die Hände viel. Mit den Fantasy-Schriftstellern H. P. Lovecraft und Clark Ashton Smith verband ihn eine enge Brieffreundschaft.

1925 erschienen seine ersten beiden Stories „SPEAR AND FANG“ und „THE FOREST OF VILLEFERE“ in WEIRD TALES.
WEIRD TALES, das im März 1923 begann und bis 1954 lief, war das wesentliche Magazin für Abenteuer, Horror und Fantasy mit Betonung auf übernatürliche Elemente. Viele der großen Autoren dieser Genres veröffentlichten den Hauptteil ihrer Stories in diesem Magazin. Neben Howard u.a. H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Robert Bloch, Ray Bradbury, Edmund Hamilton, Seabury Quinn, August Derleth und Fritz Leiber. WEIRD TALES war ein typisches amerikanisches großformatiges Pulp-Magazin, wie sie bis Anfang der 50er Jahre und eines der Hauptmedium der Unterhaltungsliteratur im phantastischen Bereich.

Nach seinem Studium arbeitete Howard in zahllosen Berufen, so war er Privatsekretär eines Rechtsanwaltes, Postbeamter, Hilfsarbeiter usw.
Im Jahre 1927 besuchte er das Payne College, lernte Buchhaltung und nachdem er den Kurs mit einem Diplom abgeschlossen hatte, widmete er sich ganz dem freiberuflichen Schreiben.
Howard schrieb über dieses Jahr: „Seit dem Sommer 1927 tue ich fast nichts außer Geschichten schreiben. Ich verkaufe nur einen kleinen Teil davon, doch kann ich davon leben. Vielleicht könnte ich mit etwas anderem mehr Geld verdienen, aber dann hätte ich nicht dieselbe Freiheit, und die Freiheit ist der größte Vorteil der Schreiberei.“

Im August 1928 erschien „RED SHADOWS“, die erste Story um seinen Helden SOLOMON KANE (erschienen in „TERRA FANTASY 11“)
KANE war der erste von Howards Fantasy-Helden, einem schwarzgekleideten, pistolen- und degenbewaffneten, puritanischen Abenteurer aus dem 16. Jahrhundert, ein Kämpfer für das Gute in den düsteren Winkeln Englands, Europas und Afrikas. Dort hat er es aber nicht nur mit korrupten Edelleuten, Banditen, Korsaren, Sklavenhändlern und menschenfressenden Stämmen und barbarischen Königinnen des schwarzen Kontinents zu tun, sondern auch mit Vampiren, Werwölfen, Hexen, Magier und altertümlichen Monstern und Bestien des Dschungels.
Schon in diesen oder besonders in diesen Stories zeigt sich Howards Vorliebe für versunkene Kulturen, Götter aus vergessener Zeit, barbarische Königreiche und dschungelüberwucherte Städte aus dunkler Vergangenheit.
Sieht man von den Fragmenten ab, so besteht das vorhandene SOLOMON KANE – Material aus 9 Stories und 2 Gedichten, von denen nur ein Teil zu Lebzeiten des Autors veröffentlicht wurde. Das meiste wurde erst ziemlich spät im Nachlaß von Howard entdeckt.
Lovecraft schrieb in einem Nachruf über Howard und seinen Helden Solomon Kane : „Mit diesen Geschichten begann Mr. Howard, was sich als einer der wirkungsvollsten Elemente seiner Erzählungen entpuppen sollte – die Beschreibung gewaltiger Städte aus der älteren Welt, deren Türme und Gewölbe und Labyrinthe eine Aura von Furcht und nekromantischen Grauen ausstrahlen und die schon alt waren, bevor der Mensch kam. Keiner vermochte das so wie er.“

In seiner unveröffentlichten Autobiographie, die er 1928 schrieb, berichtet Howard, dass er 1926 bereits an der KULL-Story „THE SHADOW KINGDOM“ (erschienen in TERRA FANTASY 11) arbeitete, doch die erst nach Absolvierung des Howard-Payne-College fertig stellte und verkaufte.
Sie erschien im August 1929 in WEIRD TALES, gefolgt von „THE MIRROR OF THUZAN THUNE“ (erschienen in TERRA FANTASY 29) in der Septemberausgabe des Pulp-Magazins.
Alle Kull-Stories dürften zwischen den Jahren 1926 und 1930 entstanden worden sein. Die größte Anzahl der fast zwei Dutzend Stories um König Kull von Atlantis blieben unveröffentlicht oder wurde erst später im Nachlaß des Autors entdeckt.
Das gesamte Material um diesen Howard-Helden erschien erst Jahrzehnte nach dem Tod des Autors im Jahre 1967 in einer speziellen Buchausgabe.

Zwischen 1929 und 1932 schrieb er zwanzig Stories über einen boxenden Seemann namens STEVE COSTILGAN, die in FIGHT STORIES, ACTION STORIES und JACK DEMPSEY’S FIGTH MAGAZINE erschienen. Als 1931 das kurzlebig Magazin ORIENTAL STORIES (später MAGIC CARPET) erschien, wurde STEVE COSTILGAN zu DENNIS MORGAN.
Im Jahre 1930 stand Howard bereits fest im schriftstellerischen Sattel. Seine Stories erschienen regelmäßig in WEIRD TALES, eine Serie von Boxsport-Geschichten erschien in FIGHT STORIES.
In diesem Jahr erschien auch zum ersten Mal Howards Held BRAN MAK MORN auf, der neue Aspekte der Fantasy beinhaltete, denn wir haben es hier mit keiner fiktiven Welt, sondern mit unserer eigenen Vergangenheit, Britannien zur Zeit der Römer, etwa 200 n. Chr., zu tun. In ihr führt der Piktenkönig BRAN MAK MORN einen verzweifelten und heroischen Kampf gegen die römischen Eroberer.
Auf den ersten Blicke könnte die Geschichten um diesen Helden rein historische Erzählungen sein, wenn nicht ein starkes magisches Element in allen diesen Stories um den Piktenkönig enthalten wäre.
Zu Howards Lebzeiten wurden nur drei BRAN MAK MORN – Stories veröffentlicht. Dies waren „THE LOST RACE“, „KINGS OF THE NIGHT“ und „WORMS OF THE EARTH“ (erschienen in „TERRA FANTASY 3“)

Im gleichen Jahr begann Howard auch mit einer Reihe von Abenteuergeschichten ohne Fantay-Elemente. In den kurzlebigen Magazinen ORIENTAL STORIES, MAGIC CARPET MAGAZINE und THE GOLDEN FLEECE, hatte Robert E. Howard Raum für diese rein historischen Abenteuer-Stories, u. a. seine Novellen zur Zeit der Kreuzzüge wie „THE LION OF TIBERIAS“ und „THE SOWERS OF THE THUNDER“ (beide erschienen in „TERRA FANTASY 42“) oder „TWO AGAINST TYRE“ (erschienen in „TERRA FANTASY 55“, und fand dafür eine begeisterte Leserschaft.
Zwei Jahre später, 1932, entstanden die ersten Stories um CONAN, den wohl bekanntesten Helden Howards, für den er alle anderen Fantasy-Helden fallen ließ.
Der Name Conan ist ein gebräuchlicher keltischer Name, der auch heute noch auf den britischen Inseln weit verbreitet ist.

Im März 1933 wurde die erste „THE TOWER OF THE ELEPHANT“ (erschienen in „CONAN“, Heyne Verlag) in WEIRD TALES veröffentlicht, gefolgt von „THE SLITHERING SHADOWS“ und „THE POOL OF THE BLACK ONE“ (erschienen in „CONAN DER ABENTEURER“, Heyne Verlag).
Zwischen den Jahren 1934 und 1936 erschienen noch etwa ein Dutzend weitere Stories um den cimmerianichen Barbaren. Die letzte, „RED NAILS“ (in „CONAN DER KRIEGER“, Heyne Verlag), erschien einen Monat nach seinem Tod.

Zwischen 1932 und 1934 waren die Conan-Stories seine Haupteinnahmequelle.

In einem Brief an Clark Ashton Smith schreibt Howard über seinen Helden: „Es mag phantastisch erscheinen, den Begriff ‚Realismus‘ mit Conan in Verbindung zu bringen, aber wenn man von seinen übernatürlichen Abenteuern absieht, ist er die realistischste Persönlichkeit, die ich je entwickelt habe.
Er ist einfach eine Kombination von verschiedenen Männern, die ich gekannt habe, und ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass er völlig fertig in mein Bewußtsein trat, als ich die erste Geschichte der Serie schrieb.
Irgendein Mechanismus meines Unterbewußtseins verknüpfte die hervorstechendsten Charaktereigenschaften verschiedener Boxer, Revolvermänner, Schmuggler, Arbeiter auf den Erdölfeldern, Glücksspieler und andere Arbeiter und schuf so die Persönlichkeit, die ich Conan, den Cimmerianer, nenne.“

Die Depressionszeit Anfang der 30er Jahre, die für viele Pulp-Magazine das Ende bedeuteten, konnten zwar WEIRD TALES nicht umbringen, doch blieben die Verleger des Magazins mit ihren Zahlungen weit im Rückstand, so dass sich Howard vom Fantasymarkt weitgehend abwandte und sich ab 1934 hauptsächlich auf Abenteuer- und Western-Stories spezialisierte.
Speziell mit den Western-Stories, von denen er nahezu 30 verkaufte, erhoffte er sich den Durchbruch zu den gut zahlenden Slicks, also den Hochglanzmagazinen Amerikas. Einzig und allein seinem Helden CONAN blieb er während dieser Zeit treu.

Etwa Mitte der 30er Jahren entstandenen auch die Abenteuergeschichten um FRANCIS XAVIER GORDON alias EL BORAK, wie „BLOOD OF THE GOODS“, „THE COUNTRY OF THE KNIFE“ und „SON OF THE WHITE WOLF“ (alle in „TERRA FANTASY 77“), die 1935 in den Abenteuermagazinen TOP NOTCH, COMPLETE STORIES und THRILLING ADVENTURES veröffentlicht wurden sowie um den Abenteuerhelden KIRBY O’DONNEL alias EL SHIRKUH, ein Held irisch-amerikanischer Abstammung, von dem aber nur zwei Stories, „SWORDS OF SHARAZAR“, Oktober 1934 in TOP NOTCH und „THE TREASURES OF TARTARY“, Januar 1935 in THRILLING ADVENTURES, (beiden in „TERRA FANTASY 80“) zu seinen Lebzeiten erschienen sind.
Die einzigen zwei Novellen, die Howard um den erdachten Haudegen BLACK TERENCE VULMEA aus der abenteuerlichen Zeit der Karibikpiraten, schrieb, wurden zu seinen Lebzeiten nicht mehr veröffentlicht.
„BLACK VULMEA’S VENGEANCE“ erschien 1938, zwei Jahre nach Howards Tod in dem Magazin GOLDEN FLEECE und „SWORDS OF THE RED BROTHERHOOD“ erstmals 1976 in der Buchausgabe BLACK VULMEA’S VENGEANCE

Etwa auch um diese Zeit, also um das Jahr 1934 und 1935 entstanden auch seine Horror-Stories von denen aber die meisten erst in seinem umfangreichen Manuskriptnachlaß entdeckt und zwischen 1967 und 1971 in den Magazinen WORLDS OF FANTASY, WEIRDBOOK, SPACEWAY SCIENCE FICTION, LOST FANTASIES und MAGAZINE OF HORROR veröffentlicht wurden.
Zu seinem Lebzeiten erschienen nur zwei dieser Horror-Stories, nämlich „THE HAUNTER OF THE RING“, 1934 und „BLACK CANAAN“, 1936, im Monat seines Todes in WEIRD TALES (beide Stories erschienen in „TERRA FANTASY 84“)

Für SPICY ADVENTURES schrieb Howard unter dem Pseudonym SAM WALSER leicht erotisch angehauchte Stories, die damals als ‚Pornographie‘ galten, heute kann man sie nicht einmal als schlüpfrig bezeichnen, so harmlos sind sie.
1936, wenige Monate vor seinem Tod, schrieb der Autor seine letzte Fantasy-Story „THE THUNDER RIDER“ (erschienen in „TERRA FANTASY 55“)

Howards psychische Labilität und seine starke Bindung an seine Mutter, die bereits ein Jahr lang krank gewesen war, trieben ihn bereits mehrmals an den Rand des Selbstmordes.
Als er am 11. Juni 1936 vom Ableben seiner Mutter erfuhr, setzte er sich an seine Schreibmaschine und schrieb:
ALL FLED – ALL DONE, SO LIFT ME ON MY PYRE
THE FEAST IS OVER AND THE LAMPS EXPIRE

(SO HEBT MICH AUF DEN SCHEITERHAUFEN –
ENTSCHWINDEN SAH ICH DIE GESICHTER,
DES LEBENS FEIER IST GELAUFEN,
DER TOD LÖSCHT ALLE LICHTER)
Howard ging danach hinaus und stieg in sein Auto, kurbelte die Fenster hoch, setzte sich seinen Revolver an die Schläfe und drückte ab. Er lebte noch acht Stunden, kam aber nicht mehr zu Bewußtsein und verstarb.
Howards einziger phantastischer Roman „ALMURIC“ und seine letzte CONAN-Story „RED NAILS“ erschienen erst Monate nach seinem Tod in WEIRD TALES.

Von: INGO LÖCHEL

H. P. Lovecraft

Posted in Essays with tags , , , , , , , , on 10. Mai 2016 by Wortman

Howard Philips Lovecraft wurde am 20.08.1890 in Providence, Rhode Island, geboren und hatte alles andere als eine glückliche Jugend.
Sein Vater, Winfield Lovecraft, war ein Handlungsreisender, der entmündigt werden musste, als Lovecraft drei Jahre alt war, und fünf Jahre später im Butler Hospital in Providence an Paresis starb. Seine Mutter Sarah Susan Phillips war eine ziemlich lebensfremde und ängstliche Person.
In seiner Autobiographie, die er am 23.11.1933 schrieb, ist von dieser unglücklichen Jugend jedoch so gut wie nichts erwähnt.
Auch seine Eltern erwähnt er darin mit keinem Wort, was vielleicht auch einiges über seine Kindheit aussagt.
Den Großteil seiner Jugend lebte Lovecraft im Haus seines Großvaters mütterlicherseits, der ein kultivierter und erfolgreicher Mann war.
Lovecraft war ein schwächliches Kind, so dass er nur ein Jahr zur Schule gehen konnte.
Außerhalb seiner Familie hatte er kaum Kontakte zu anderen Menschen. Diese Jahre formten seinen Charakter.

Mit drei lauschte er begierig den bekannten Märchen. Die Märchen der Gebrüder Grimm gehörten zu seiner ersten Lektüre im Alter von vier und mit fünf geriet er in den Bann von „Tausendundeine Nacht“.
Als er sechs war, kam der junge Lovecraft durch verschiedene leichtverständlich gehaltene Jugendschriften mit der griechischen und römischen Mythologie in Berührung. Viele Stunden verbrachte er während seiner Kindheit und auch noch lange danach in der Bibliothek seines Großvaters Winfield V. Philips.
Im Alter von acht zeigte Lovecraft ein starkes Interesse an den Wissenschaften. Mit Zwölf gab er eine kleine Zeitschrift heraus, das RHODE ISLAND JOURNAL OF ASTRONOMY.
Mit 16 veröffentlichte H. P. in der TRIBUNE von Providence, monatliche Artikel über Astronomie.

Die High School konnte er einigermaßen regelmäßig besuchen. In dieser Zeit begann er auch mit dem Schreiben von unheimlichen Geschichten.
Doch „der größte Teil davon“, wie Howard sich in seiner Autobiographie schreibt, „waren Schund, und mit 18 vernichtete ich die meisten. Ein bis zwei erreichten vielleicht das Durchschnittsniveau von Groschenheften. Von allen habe ich mir nur DAS TIER IN DER HÖHLE (1905) und DER ALCHIMIST (1908) aufgehoben.“

Im Alter von 18 erkrankte H. P. schwer. Bis heute steht nicht fest, was er für eine Krankheit gewesen war. Vermutlich war es eine Art rheumatisches Fieber.
Sein Gesundheitszustand machte es ihm dadurch unmöglich ein College zu besuchen, „aber unsystematisches Lernen daheim und der Einfluß eines bemerkenswert gebildeten Onkels, eines Arztes, halfen mir, einige der ärgsten Folgen dieses Mangels auszugleichen. In den Jahren, die ich hätte auf den College verbringen sollen, wechselte ich zwischen Wissenschaft und Literatur hin und her und erwarb mir ein fundiertes Wissen in allem, was das achtzehnte Jahrhundert anging, dem ich mich seltsam zugehörig fühlte.“

Lovecraft verabscheute Tabak und Alkohol. Seine Ernährung war höchst unregelmäßig und er aß nur sehr wenig. So wog er bei einer Größe von 1,75 nur ca. 62 kg.
Normalerweise verließ er das Haus nur während der Nacht, da ging er allerdings stundenlang spazieren.
Im Jahre 1914 wurde er Mitglied der United Amateur Press Association und verstärkte seine Korrespondenz mit vielen Mitglieder der Vereinigung und begann verstärkt zu schreiben.
1916 veröffentlichte er die Story „THE ALCHIMIST“, die er 1908 geschrieben hatte, in THE UNITED AMATEUR, einer Amateurpublikation.
1915 bis 1923 gab er eine eigene Amateurpublikation mit dem Titel THE CONSERVATIVE heraus.
Von 1915 bis 1925 hatte er über hundert Artikel, Essays und Gedichte veröffentlicht, für die er aber kein Honorar bekommen hatte.

Um das Jahr 1917 begann er mit dem Schreiben von Horror – Geschichten, die ihn später so berühmt machen sollten.
Die erste dieser Stories war „THE TOMB“, die 1922 in der Amateurzeitschrift THE VAGRANT erschien. Die zweite Geschichte war „DAGON“, die aber vor „THE TOMB“ in THE VAGRANT veröffentlicht wurde.
Schon als Kind war Lovecraft fasziniert von Edgar Allan Poe gewesen. Danach entdeckte er Lord Dunsany und Arthur Machen. Diese Autoren waren zu jener Zeit auch seine großen Vorbilder.
Einige der 17 Stories, der er zwischen 1917 bis 1921 schrieb, waren rein phantastisch, ganz in der Art von Lord Dunsany, und die anderen waren unheimlich und grauenerregend und ganz Poe nachempfunden.
„Im Jahre 1919“, so schreibt H. P. in seiner Autobiographie, „gab meine Entdeckung Lord Dunsanys, durch den mir die Idee eines künstlichen Pantheons und einer Mythenwelt kam, meiner Schriftstellerei auf dem Gebiet der Gruselgeschichte gewaltigen Auftrieb. Solche Geschichten schrieb ich jetzt im größeren Umfang als jemals zuvor und danach.“

Durch seine Kontakte mit den Amateurpublikationen lernte er auch viele „Möchtegernschriftsteller“ kennen, die ihm für die Umarbeitung ihrer schriftstellerischen Ergüsse bezahlten. Für dieses „Ghost – Writing“ erhielt H. P. ein bescheidenes Honorar.
Lovecraft lebte während seines ganzen Lebens sehr bescheiden. Sein Einkommen war auch in späteren Jahren nie besonders hoch.
1919 erlitt seine Mutter einen Nervenzusammenbruch und starb im Jahre 1921, nachdem sie die letzten beiden Jahre ihres Lebens im Butler Hospital zugebracht hatte.
Nach ihrem Tod lebte Lovecraft mit seinen beiden Tanten, Mrs. Franklin C. Clark und Mrs. Edward F. Gamwell in einem Haus in Providence zusammen.
Im Alter von dreißig Jahren verbrachte er die erste Nacht außerhalb von Providence. Er war zu einem Kongreß der Amateurjournalisten nach Boston gefahren.

Lovecraft schrieb unwahrscheinlich viele Briefe. Dadurch schuf er sich sehr viele Freunde. Vermutlich hat er in seinem Leben über 100.000 Briefe geschrieben, von denen viele von August Derleth nach seinem Tod veröffentlicht wurden.
An diesen regen Briefverkehr mit H. P. erinnert sich auch sein langjähriger Freund W. Paul Cook: „Ich bezweifle, ob es je einen Menschen gab, der allgemein beliebter war, als Howard Philips Lovecraft. Die äußerst umfangreiche Korrespondenz, die er führte, war ein Grund dafür. Ich habe zuweilen in einem Brief beiläufig eine scheinbar harmlose Bemerkung gemacht, und als Antwort auf zehn bis zwölf Wörter kam der Briefträger an die Tür, dem Zusammenbruch nahe unter der Last einer Abhandlung von zwanzig bis dreißig engbeschriebenen Seiten. Alle seine Brieffreunde freuten sich wie ich über seine Briefe.“

1921 brachte Lovecrafts Freund George J. Houtain ein Magazin namens HOME BREW heraus. Houtain bat Lovecraft um ein paar Horrorstories, die er auch lieferte.
Sie erschienen unter dem Titel „GREWSOM TALES“ und Lovecraft erhielt sein erstes Honorar. Er schrieb dann noch vier weitere Geschichten für dieses Magazin, die unter dem Titel „THE LURKING FEAR“ erschienen.
Als 1923 WEIRD TALES herauskam, forderte James F. Morton, ein anderer von Lovecrafts Freunden, ihn auf, doch an dieses Magazin ein paar Erzählungen zu senden.
Auch andere seiner Freunde drängten ihn, es doch bei den professionellen Magazinen zu versuchen, doch Lovecraft war anfangs dagegen.
Schließlich sandte er zwei Stories „BLACK CAT“ und „BLACK MASK“, die jedoch beide abgelehnt wurden.
Danach schickte H. P. fünf Erzählungen an WEIRD TALES, und Edwin Baird, der Chefredakteur, kaufte alle fünf und bat um mehr Material.

Die erste in WEIRD TALES veröffentlichte Story war „DAGON“ im Oktober 1923.

Einer der ersten, die Lovecrafts Talent erkannten, war Jacob Clark Henneberger, der Eigentümer von WEIRD TALES, der ihn gern als Nachfolger von Baird als Chefredakteur gehabt hätte. Doch dazu kam es nicht. Bairds Nachfolger wurde Farnsworth Wright, der auch Lovecraft Erzählungen sehr schätzte.
Aber oft lehnte er Geschichten ab, die dann später von vielen als Lovecrafts besten Arbeiten bezeichnet wurden. Auch kam es vor, dass Wright eine Story ablehnte, um sie ein paar Monate später wieder anzufordern und dann zu kaufen.

Lovecraft war ein pedantischer und langsamer Schreiber. Er war ein Perfektionist. Daher war seine Produktion äußerst gering. Am schaffensfreudigsten war er noch in den Jahren 1924 bis 1926.
Im Jahre 1921 lernte er in Boston auf einem Amateurschriftstellerkongress Sonia Haft Greene (1883 – 1972) kennen, die um sieben Jahre älter war als er. Sie war russisch – jüdischer Abstammung und mit neun Jahren in die Staaten gekommen, geschieden und hatte eine Tochter. Sie war in New York bei einem großen Warenhaus beschäftigt. Das folgende Jahr korrespondierte Lovecraft eifrig mit ihr.

1922 wollte Lovecrafts Freund Loveman nach New York kommen. Sonia Greene erfuhr davon und lud beide zu sich nach Brooklyn ein. Lovecraft folgte der Einladung.
Ein Jahr später besuchte ihn Sonia in Providence, als sie auf einer Geschäftsreise nach Boston war.
Lovecraft schrieb ihr wöchentlich mehrere Briefe und wollte nach New York ziehen. Im März 1924 fuhr er tatsächlich hin und heiratete Sonia Greene. Lovecraft lebte nach seiner Heirat in Sonias Wohnung in Brooklyn.
Zu diesem Zeitpunkt zerschlug sich auch Hennebergers Plan, Lovecraft als Chefredakteur zu gewinnen. Sonia hatte inzwischen ihre gutbezahlte Stellung aufgegeben und ein Modegeschäft eröffnet, das aber bald wieder zugesperrt werden musste.
Lovecraft suchte einen Posten, fand aber keinen. Ihre finanziellen Schwierigkeiten wurden immer größer. Sonia wurde krank und Lovecraft begann New York zu hassen. Er sehnte sich nach seiner Heimat Providence zurück.
Seine einzige Freude zu dieser Zeit waren die wöchentlichen Zusammenkünfte im K-L-M-Klub, so genannt, da die Namen aller frühen Mitglieder entweder mit K, L oder M begannen. Meistens trafen sie sich in der Wohnung irgendeines Mitgliedes, aber ziemlich häufig in der von Frank Belknap Long, der später ein bekannter SF – Autor wurde. Sonia nahm nach ihrer Genesung einen Posten in Cincinnati an .
Lovecraft schrieb in der Zeit auch längere Erzählungen wie „THE SHUNNED HOUSE“ (1924)
In „THE HORROR AT RED HOOK“ (1925) zeigt er auch ganz offen seinen Haß auf New York. Die letzte Story, die er in New York schrieb, war „THE VAULT“, eine Geistergeschichte.
Lovecraft sehnte sich immer mehr nach Providence. Er war so deprimiert, dass er oft an Selbstmord dachte. Sein Freund W. Paul Cook erinnert sich an sein kurzes Treffen mit H. P. in New York: „Ich traf Lovecraft während seiner New Yorker Erlebnisse nur einmal. Ich hatte nur eine Stunde Zeit in der Stadt, und wir führten nur ein kurzes Gespräch. Ich hatte seine Seelenqual in seinen Briefen gespürt, und als ich mit ihm zusammentraf, lag es schmerzlich zutage, dass er unglücklich war. Ich war überzeugt, dass er den selben Zug wie ich genommen hätte, wäre ich nach Neu – England unterwegs gewesen.“
Im April 1926 kehrte Lovecraft schließlich in seine geliebte Heimatstadt Providence zurück. „Ich traf ihn nach seiner Rückkehr aus New York in Providence“, erinnert sich Cook „ehe er seine Habe noch ganz ausgepackt und in seinem Zimmer eingeräumt hatte, und er war unstrittig der glücklichste Mensch, den ich je gesehen hatte.“

Sonia versprach ihm, dass sie nachkommen würde, was sie auch tatsächlich tat. Sie arbeitete nun in New York und später dann in Chicago. Die Ehe bestand praktisch nur mehr aus Briefen und 1929 ließ sie sich schließlich von Lovecraft scheiden und zog nach Kalifornien.
Nach seiner Heimkehr nach Providence schrieb er „THE CALL OF CTHULU“, das 1928 in WEIRD TALES erschien und den berühmten Cthulhu – Mythos einleitete.
August Derleth schrieb darüber: „Die Erzählungen des Cthulhu – Mythos entstanden hauptsächlich in Lovecrafts letzter Schaffensperiode. Dem gesamten Mythos liegt eine der uralten Überlieferungen der Menschheit zugrunde – der ewigwährende Kampf der guten und bösen Mächte.“
Lovecraft schrieb in einen seiner vielen Briefen darüber: „Alle meine Geschichten, so wenig Zusammenhang sie auch untereinander aufzuweisen scheinen gründen sich auf die fundamentale Überlieferung, unsere Erde sei in grauer Vorzeit von einer Rasse bewohnt worden, die wegen gewisser Verfehlungen flüchten mussten, aber an einem anderen Ort lauert, von wo aus sie die Welt wieder in ihren Besitz nehmen will.“

Zwischen 1929 und 1935 reiste Lovecraft viel. Er fuhr nach Virginia, nach Florida und sogar nach New Orleans. Dabei besuchte er einige seiner Brieffreunde wie den Reverend Henry S. Whitehead und Edgar Hoffmann Price. 1930 reiste er nach Kanada.
Er war so aktiv wie nie zuvor. Trotzdem fühlte er sich isoliert. Meist war er deprimiert und niedergeschlagen. Dabei war er bereits ein von vielen anerkannter Schriftsteller geworden.
1931 schrieb Lovecraft „AT THE MOUNTAIN OF MADNESS“, die Wright nicht ankaufte, da sie ihm zu lang war.
„THE SHADOW OUT OF SPACE“, schrieb er drei Jahre später, war aber so entmutigt, dass er sie überhaupt nicht anbot.
Später vermittelten zwei seiner Freunde, Julius Schwartz und Donald Wandrei, beide Geschichten an ASTOUNDING, und Lovecraft bekam dafür 595 Dollar.
In seinen letzten Lebensjahren wurde Lovecraft auch außerhalb der WEIRD TALES – Leserschaft bekannt. Einige seiner Stories wurden in Anthologien veröffentlicht und Buchverleger begannen sich auch endlich für sein Werk zu interessieren.

Am 23.11.1933 schrieb Lovecraft in seiner Autobiographie, „EINIGE ANMERKUNGEN ZU EINER NULL“, über die phantastische Literatur: „Ich bin der Auffassung, dass die unheimliche Literatur ein ernst zu nehmendes Genre ist, das der besten literarischen Künstler wert ist, obwohl sie zumeist ein ziemlich eng begrenztes Gebiet ist, das nur einen kleinen Ausschnitt der unendlich vielfältigen Gemütsverfassung des Menschen spiegelt.“

1936 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Im Februar 1937 wurde er ins Spital in Providence eingeliefert. Er hatte Krebs und starb am 15.03.1937 im Alter von 46 Jahren an dieser heimtückischen Krankheit.
Sein Freund W. Paul Cook erinnert sich: „Als Howard starb, war ich viele Kilometer von Neu – England entfernt, meine Adresse war nur wenigen bekannt, und erst nach der Beerdigung wurde ich brieflich von mehreren Leuten verständigt. Ich griff in den Stapel unerledigter Post und holte nicht weniger als drei Briefe Lovecrafts hervor. Düstere Selbstvorwürfe befielen mich, als ich die Briefe vor mir ausbreitete. Für meine Stimmung war es belanglos, dass es in den Briefen nichts gab, was eine umgehende Antwort erfordert hätte. Ich hatte gegenüber einem der gediegensten Gentlemen und zuverlässigsten Freund, die ich je gekannt hatte, gelinge ausgedrückt, eine unverzeihliche Unhöflichkeit begangen.“

62 von seinen Erzählungen erschienen zu seinen Lebzeiten in professionellen Magazinen. Der große Erfolg stellte sich aber erst nach seinem Tod ein.
August Derleth und Donald Wandrei gründeten den Verlag ARKHAM HOUSE, den berühmten amerikanischen Spezialverlag für phantastische Literatur, der nicht nur nach und nach fast alle Werke Lovecrafts veröffentlichte, sondern auch vielen anderen Autoren eine Heimstatt bot.
Derleth (1909 – 1972), der seit 1925 mit Lovecraft korrespondierte, hat aber auch viele Themen und Einfälle Lovecrafts, Notizen und Fragmente von Erzählungen, die sich im Nachlaß H. P.‘s befanden, aufgegriffen und im Geiste ihres Urhebers weitergeführt.
So entstand die posthume Zusammenarbeit zwischen Lovecraft und Derleth.
Derleth setzte aber auch das Werk Lovecrafts fort, indem er selbst neue Werke schuf und dem Cthulhu – Mythos hinzufügte.

Die Werke H. P. Lovecraft in deutscher Übersetzung

1) Suhrkamp Verlag
Cthulhu – Geistergeschichten (6 Horror – Stories)
Berge des Wahnsinns (2 Horror – Stories)
Das Ding an der Schwelle(6 Horror – Stories)
Der Fall Charles Dexter Ward (2 Horror – Stories)
Die Katzen von Ulthar (6 Horror – Stories)
Stadt ohne Namen (14 Horror – Stories)
In der Gruft (20 Horror – Stories)
Azathoth (Stories, Fragmente, Prosagedichte, Essays des Autors sowie eine Auswahl aus Lovecrafts Notizbüchern)

Franz Rottensteiner: Der Einsiedler aus Providence – Lovecrafts ungewöhnliches Leben
H. P. Lovecraft / August Derleth: Die dunkle Bruderschaft (10 Horror-Stories)

2) Bastei Verlag
H. P. Lovecraft/August Derleth: Das Grauen vor der Tür (The Lurker at the Threshold)

3) Festa Verlag
Der Kosmische Schrecken, Gesammelte Werke Band 1
Namenlose Kulte, Gesammelte Werke Band 2
Das schleichende Chaos, Gesammelte Werke Band 3

INGO LÖCHEL

The lost Colony of Roanoke Island

Posted in Essays with tags , , , , , , , , , on 9. September 2014 by Wortman

1585 landeten die ersten englischen Siedler auf Roanoke Island, einer Insel vor der amerikanischen Ostküste des heutigen North Carolinas. Hunger, Streit und Differenzen mit den Einheimischen Indianern zwangen einen Teil der Siedler dazu, nach England zurück zu kehren um Hilfe zu holen.
1587 landete eine zweite Gruppe Siedler aus England auf der Insel, angeführt von John White. Sie fanden keinen überlebenden Siedler mehr vor.
117 Männer und Frauen, darunter auch Whites hochschwangere Tochter Eleanor Dare mit ihrem Mann. “Virginia Dare” war die erste Engländerin, die auf amerikanischen Boden geboren wurde.

Was macht Roanoke Island so interessant?
Es ist die “Lost Colony”! Als White nach England segelte um den Nachschub für die Siedler zu organisieren, wurde er durch den Krieg gegen die Spanier und ihre Armada aufgehalten. Erst 1590 erreichte White erneut Roanoke Island. Doch die Siedlung war leer. Es gab laut Aufzeichnungen auch keinerlei Anzeichen für einen Kampf. In einem Baum fand White das Wort “Croatoan” eingeritzt. Gefunden wurden nur ein paar eilig vergrabene Kisten. Von den Siedlern fehlte jede Spur. Auch Tote wurden nicht gefunden.
Das Schicksal dieser “Lost Colony” ist bis heute ungeklärt.
Im Laufe der Zeit haben sich viele Mythen und Legenden um diese Kolonie gebildet.

Was das Wort “Croatoan” angeht, so glauben einige, es handelt sich um den Namen eines Indianerdorfes, wieder Andere sagen, es ist der Name einer Nachbarinsel.
Wo genau diese Siedlung gestanden hat, lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Man geht davon aus, sie lag im nördlichen Bereich.

Theorien:
* 1709: Einheimische in der Gegend von Croatoan erinnern sich an weiße Vorfahren und haben eine Augenfarbe, die sonst unter Indianern nicht anzutreffen ist.
* um 1880: Der Forscher MacMillan trifft auf Indianer des Stammes der Pembrokes, die Englisch sprechen können und deutliche europäische Züge aufweisen.
* Heute wird angenommen, die ursprüngliche Gruppe Siedler sei getrennter Wege gegangen. Manche wurden von Einheimischen getötet, manche haben sich wohl verschiedenen Indianerstämmen angeschlossen. Warum sie dies taten und warum niemals persönliche Gegenstände oder Aufzeichnungen etc. gefunden wurden, bleibt bis heute unklar.

Heute:
Dem Geheimnis um Roanoke Island ist man bis heute auf der Spur: Seit Anfang 2008 wird der nördliche Teil der Insel mittels der sogenannten CART-Technik (Computer Aided Radar Tomography) untersucht. Diese Technik macht die dreidimensionale Bodenuntersuchung möglich.

Film:
Eine interessante, dem Geisterbereich zugeodnete Erklärung lässt der Film “The lost Colony” mit Adrian Paul als Ehemann von Elenor Dare, auf die Zuschauer los. Demnach sind Geister von Wikingern, die einen Weg nach Walhalla suchen, für das Verschwinden der Siedler zuständig.
Klingt auf dem ersten Blick sicherlich abwegig, doch es ist eindeutig bewiesen, dass Wikinger zumindestens im Norden des heutigen Amerikas gelandet sind. Dort wurde eine alte Wikingersiedlung an der Grenze zum heutigen Kanada entdeckt.
Es ist nur ein Film, doch vielleicht nicht nur Fiktion.

T.R. aka Wortman

Quellen:
Archiv R.
Wikipedia
Country-Culture-Club.de
Wormser Zeitung

John Dee

Posted in Essays with tags , , , on 23. Oktober 2011 by Wortman

John Dee
Der mit den Engeln sprach

Wer in den üblichen Nachschlagewerken Informationen über John Dee sucht, der wird lediglich erfahren, dass dieser berühmte englische Gelehrte des 16. Jahrhunderts maßgebliche Beiträge zum mathematischen und astrologischen Wissen seiner Zeit geleistet hat. Weniger bekannt und verbreitet ist der Fakt, dass derselbe Mann auch fest daran glaubte, in die Geheimnisse der Engel eingeweiht zu sein, die Abläufe im Himmel zu kennen und zu wissen, welche Engel für die verschiedenen irdischen Bereiche zuständig sind.
Wer war dieser Mann, der so gegensätzliche Interessen und Fähigkeiten in sich vereinte? War er der „extrem leichtgläubige, überaus eitle und höchst verblendete Enthusiast“, als den ihn die BIOGRAPHICA BRITTANICA beschreibt oder ist er der weise Magier gewesen, auf dessen „Henochischer Magie“ einige Prinzipien des im 19. Jahrhundert von S. L. MacGregor Mathers gegründeten Orden der Goldenen Dämmerung basierten?
Ob er nun ein Weiser oder ein Dummkopf war – sicher ist, dass sich Dee zu seinen Lebzeiten mit Leib und Seele der Wissenschaft widmete. Seine Bibliothek, die für damalige Verhältnisse ungeheuer umfangreich war, hatte ihn die seinerzeit unvorstellbar hohe Summe von über 3000 Pfund gekostet und enthielt Werke zu jedem Wissensbereich, mit dem sich die Gelehrten des 16. Jahrhunderts beschäftigten: Theologie, Mathematik, Geographie, Navigation, Alchemie, Astrologie, Astronomie und rituelle Magie.
John Dee wurde am 13. Juli 1527 in Mortlake geboren – damals eine hübsche Kleinstadt in Surrey, heute ein Londoner Vorort.
Als Dee 15 Jahre alt war, begann er mit großem Eifer das Studium am St. John’s College in Cambridge. John war ein überaus eifriger Student. Aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, dass er sich in jenen Jahren seinen Tagesablauf streng einteilte. Er schlief des Nachts nur 4 Stunden, gestattete sich tagsüber nur 2 Stunden für Mahlzeiten sowie etwas anschließender Ruhe und verbrachte die restlichen 18 Stunden mit Beten, Studieren und Lernen. Vier Jahre vergingen auf diese Weise und schließlich zahlte Dees Lerneifer sich aus. Im Jahre 1546 holte ihn König Heinrich VIII. als Dozent an das gerade gegründete Trinity College in Cambridge. Bereits nach kurzer Zeit begannen Gerüchte darüber zu kursieren, dass Dee sich in Schwarzer Magie versuchte – etwas, das zu jener Zeit schnell ein verhängnisvolles Schicksal heraufbeschwören konnte. 1548 verließ er das Trinity College und begann an der Louvain Universität zu studieren. Dort fand er so berühmte Studiengefährten wie Gemma Frisius und Mercator.
Nach dem Ende seines Studiums begann Dee zu reisen. Er lehrte an altehrwürdigen Universitäten, schloß Freundschaften mit vielen Gelehrten, befasste sich mit der okkulten Lehre des Abtes Trithemius und erstellte Horoskope für viele große Männer und Frauen seiner Zeit.
Letzteres jedoch brachte ihn 1553, während der Herrschaft von Maria der Katholischen, die das Volk wegen ihrer äußersten Brutalität bei der Wiedereinführung des Katholizismus „Bloody Mary“ nannte, in große Gefahr.
Noch während Marias Regentschaft begann Dee ein Horoskop für die älteste Tochter Heinrichs VIII. zu erstellen, das er dann ihrer Halbschwester Elisabeth, der späteren Königin von England, zuspielte.
Maria erfuhr durch Informanten von diesem Vorgang. Sie ließ John Dee verhaften, einkerkern und sorgte dafür, dass seine astrologischen Berechnungen über ihre mögliche Lebensdauer als Hochverrat ausgelegt wurde. Gleichzeitig wurde ihm unterstellt, dass er die Königin mit Hilfe der Schwarzen Magie ermorden wollte. Er wurde zwar von dieser Anklage freigesprochen, aber unter dem Verdacht der Ketzerei wenig später erneut verhaftet. Erst 1555 kam er endgültig frei.
Als Maria 1558 starb, bestieg Elisabeth I. den englischen Thron. Sie machte Dee zu ihrem persönlichen Sterndeuter und ließ jedes Ereignis zunächst genau von ihm auf den astrologisch günstigsten Zeitpunkt hin überprüfen. So berechnete er zum Beispiel den günstigsten Tag für ihre Krönung und war stets beratend an ihrer Seite, wenn Elisabeth argwöhnte, dass ihr jemand mittels Hexerei schaden wollte. Als Gegenleistung erwies Elisabeth ihm einige sehr bedeutende Gefälligkeiten. So machte sie ihn beispielsweise zum Ratgeber für alle geografischen Entdeckungsreisen, die unter ihrer Herrschaft unternommen wurden, darunter auch für die Reise des Francis Drake.
Außerdem gewährte Elisabeth ihm Schutz gegen alle Angriffe auf seine Studien und übersandte dem durch seine fortwährenden Bücherkäufe stets unter Geldmangel leidenden Dee wiederholt kleinere Geldgeschenke.
Dennoch verlief sein Leben nicht sehr glücklich, denn der Ruf, „…ein Gefährte der Höllenhunde und ein Beschwörer von üblen und heimtückischen Geistern…“ zu sein, den er sich bereits während seiner Zeit auf dem Trinity College erworben hatte und durch Marias Anklagen noch vertieft worden war, machte ihm das Leben nicht einfacher. Wahrscheinlich hätte sich das Misstrauen seiner Kritiker noch verstärkt, hätten sie Kenntnis von den Experimenten gehabt, die er in den Jahren bis 1581 während seiner Zeit als Rektor von Long Leadenham in Lincolnshire durchführte.
Im Oktober 1581 dann versuchte er, zunächst jedoch erfolglos, zum ersten Mal Kontakt mit Engeln aufzunehmen.
Als er sich mit dem Medium Barnabas Saul zusammentat, der behauptete, in seiner magischen Kristallkugel Engel und andere Geistwesen sehen zu können, hatte Dee zum ersten Mal Erfolg. Am 22. Dezember 1581 soll es dann tatsächlich zum Kontakt mit dem Engel Anael gekommen sein.
Kurze Zeit danach trat ein gewisser Edward Kelley, alias Talbot, in sein Leben. Kelley war ein seltsamer junger Mann mit zweifelhaftem Ruf, der ein Ohr am Pranger von Lancaster verloren hatte und nun versuchte, diese Verstümmelung unter einer schwarzen Kappe zu verbergen. Das dadurch bedingte geheimnisvolle Aussehen sorgte zusammen mit den dunklen Gerüchten über Kelley, die diesem die Kenntnis der rituellen Magie, der Alchemie und sogar der Nekromantie nachsagten, dafür, dass Dee sein anfängliches Misstrauen gegen Kelley überwand. Ein wichtiger Faktor dabei mag das unvermittelte Erscheinen des Erzengels Uriel gewesen sein, der Dee verriet, wie man einen mächtigen Talisman herstellen könne. Von diesem Zeitpunkt an war Dee von Kelleys Zauberkräften überzeugt.
Die beiden arbeiteten in den folgenden sieben Jahren eng zusammen und hielten Hunderte von Séancen ab – die erste im englischen Mortlake, die letzte in Krakau in Polen, wohin Dee dem polnischen Prinzen Lasky gefolgt war. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten wanderten die Männer und ihre Familien kreuz und quer durch Europa, immer dem Geheiß eines Engels folgend.
Einige der Aufzeichnungen Dees aus jener Zeit haben sich bis heute erhalten. Darunter befindet sich eine Korrespondenz aus dem Jahre 1583 zwischen Dee und dem Engel Uriel, in der jener die Bedrohung Englands durch die spanische Armada und die Enthauptung Maria Stuarts im Jahre 1587 vorhersagte. Dass ein politisch interessierter Mensch jener Zeit, wie das „Medium“ Kelley einer war, durchaus auch allein anhand sorgfältiger Beobachtung der politischen Lage Englands solche Vorhersagen treffen konnte, übersah Dee bewußt. Für ihn waren die weitaus weniger konkreten Voraussagen der angerufenen Engel viel wichtiger, in denen hauptsächlich obskure mathematische, magische und zunehmend linguistische Lehren vermittelt wurden. So wurden Dee durch Automatisches Schreiben lange Traktate diktiert, in denen die Grundregeln der henochischen Sprache, der Sprache des Garten Eden, festgehalten waren.
Die henochische Sprache mutet auf den ersten Blick wie purer Unsinn an, denn es wurden scheinbar willkürlich Silben aneinandergereiht. Später befasste sich ein Wissenschaftler namens Laycock mit dieser geheimnisvollen Sprache und stellte nach eingehenden Untersuchungen in seinem Werk Complete Enochain Dictionary fest, dass sie in Struktur und Grammatik bemerkenswerte Ähnlichkeiten zum Englischen aufwies.
Während die henochische Sprache Einzug in die Riten des angewandten Okkultismus hielt, fuhren Dee und Kelley damit fort, Séancen abzuhalten. Ihre letzte fand am 17. April 1587 statt. Darin „befahl“ der Engel Madimi den beiden Männern, von nun an alles zu teilen und gemeinsam zu genießen – auch ihre Gattinnen. Dee war zutiefst von diesem Gedanken abgestoßen und fügte sich schließlich nur widerwillig – und nach weiteren „himmlischen“ Ermahnungen. Die Vierer-Harmonie hielt jedoch nicht lange. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, die schließlich zur endgültigen Trennung von Dee und Kelley führten. Im November 1588 kehrte Dee auf Einladung der Königin nach England zurück, doch von den ihm versprochenen Stellungen und Apanagen sah er fast nichts. Dee konnte nur leben, weil einige Freunde ihm immer wieder mit Geld aushalfen.
Sein ehemaliger Mitarbeiter Kelley starb 1595 unter ungeklärten Umständen. John Dee selbst starb im Dezember 1608 in bitterster Armut in seinem Geburtsort Mortlake, doch bis zu seinem Ende führte er seine magischen Studien fort.

Katrin Glase