Kaffee, zwei Stück Zucker, ein Schuss Sahne

„Und du bleibst immer bei mir und du verlässt mich nie,“ sie blickt ihn zärtlich an.
Irritiert überlegt er, was das bedeuten soll. Der Klang ihrer Stimme ist liebevoll wie immer. Dennoch hat er das dumpfe Gefühl, es wäre eine Drohung. Sie schenkt ihm Kaffee ein, lässt vorsichtig zwei Zuckerstückchen hinein gleiten und gießt einen guten Schuss Sahne dazu.
„Wie kommst du darauf?“, er lächelt unsicher. Ob sie etwas ahnt?
„Ach, nur so,“ sie lächelt zurück, während er die Tasse zum Mund führt.
Das köstliche Getränk fließt seine Kehle hinunter.
„Die Hotelrechnung von deiner letzten Tagung habe ich in deinem Mantel gefunden. Sie war auf ein Doppelzimmer ausgestellt.“ Sie streicht Butter auf ihr Brötchen. Ihm läuft ein Schauer über den Rücken. Die Haut auf seinem Arm beginnt zu kribbeln. „Als ich anrief, um den Irrtum aufzuklären, erklärte mir der Hotelportier, dass alles seine Richtigkeit hat. Du bist mit deiner Frau angereist.“
Ihre Stimme hatte nichts von ihrer Liebenswürdigkeit verloren. Bestürzt sieht er sie an. Sie hatte es heraus gefunden. Er war nachlässig geworden, nachdem er es geschafft hatte sein Geheimnis viele Jahre zu verbergen.
„Aber Schätzchen,“ will er sagen. Es gelingt ihm nicht. Kein Laut kommt über seine Lippen. Er versucht es erneut. Nichts. Er hört nur die Stimme in seinem Kopf. „Aber Schätzchen,“ hallt sie wieder.
Sie träufelt goldenen Honig auf ihr Brötchen. Schaum tropft aus seinen Mundwinkeln. Er versucht auf zustehen, wirft den Stuhl um und stürzt. Stöhnend windet er sich in Krämpfen. Ein letztes Aufbäumen schüttelt seinen gequälten Körper. Er stirbt. Seine gebrochenen Augen sind auf sie gerichtet. Sie nimmt seine Kaffeetasse, schüttet den Inhalt in den Ausguss und wäscht sie sorgfältig ab. Sie stellt eine saubere Tasse an seinen Platz, gießt frischen Kaffee hinein, zwei Stück Zucker und einen guten Schuss Sahne. Sie beugt sich zu ihm hinunter, schaut in sein verzerrtes Gesicht und lächelt: „Und du bleibst immer bei mir und du verlässt mich nicht. Nicht wahr?!“

© Caroline Susemihl

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