Du wirst nicht entkommen

Posted in Horror/Grusel with tags , , , , , , on 27. September 2019 by Wortman

Anna stand vor der alten Villa am Ende der Stadt. Ihrer Stadt. Hier war sie aufgewachsen und ging zur Schule. Ist es nicht manchmal seltsam, dass man immer in die Ferne schweift und das war vor der Tür ist ignoriert? Seit Jahren schon zählte Anna zu einer der bekannten Urban Explorer. Ihre Twitter, Instagram, YouTube Auftritte hatten ihr einen gewissen Ruhm eingebracht. Nun stand sie also vor ihrer ersten Herausforderung. Als Mädchen stand sie manchmal lange Zeit vor dieser Villa und traute sich einfach nicht hinein.
Sie hatte schon öfter die Schwelle zum Vorgarten übertreten, aber es fühlte sich immer an, als wollte irgendwas sie daran hindern weiter zu gehen. Sie traute sich nicht einen Schritt nach dem andern zu setzen. Jetzt aber. Sie war erfahren genug und hatte keine Angst mehr. Soviel verschiedene Lost Places hatte sie schon besucht, da dürfte doch diese alte Villa kein Problem mehr darstellen.

Mark hatte sie allerdings gewarnt. „Geh nicht alleine hinein. Du weißt nicht wie marode das Gebäude ist. Hinterlasse wenigstens eine Nachricht und schalte dein GPS an.“ Anna lachte ihn aus. „Mark, Mark, Mark. Natürlich bin ich online. Meine Fans erwarten einen Livestream von meinem Spuk Haus. Ich hab es groß angekündigt. Das wird die Klicks nach oben schnellen lassen.“ „Du und deine Klicks. Viel wichtiger sollte dir deine Sicherheit sein. Warte noch paar Tage, bis ich aus Kroatien wieder da bin. Das Geisterdorf werde ich schnell abarbeiten und dann gehen wir gemeinsam.“ Mark und sie hatten schon so einige Lost Places gemeinsam besucht.
Manchmal glaubte Anna, Mark hätte mehr als nur ein Freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben wollen. Aber sie war nur auf Abenteuer aus. Sie brauchte diesen Kick. Diesen Adrenalinstoss. Deswegen konnte sie auch nicht warten. Sie packte ihre Tasche. Taschenlampe, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Wasser, Energieriegel, Taschenmesser, Seil. Actioncam mit Nachtsicht. Handy um den Livestream hoch zu laden. Check, check, check. Alles war bereit. Morgen wollte sie einsteigen.

Jetzt stand sie vor der Villa. Eine leichte Gänsehaut machte sich auf ihren Armen breit. Die Angst des kleinen Mädchens machte sich bemerkbar. Anna schüttelte sich um sie los zu werden. Sie hatte schon viel gruseligere Orte besucht. Sie straffte ihre Schultern und trat durch das schiefe Eingangstor in den Vorgarten. Wieder spürte sie einen Widerstand. Von ihr aus, oder von dem Ort aus. „Blödsinn, Anna. Das ist deine bescheidene Angst. Stell dich nicht so an. Was soll denn hier schon sein?“ Versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Sie ging durch den Garten und stieg die große einladende Treppe hinauf. Sie drehte sich um. Es war neblig geworden. Wo kam auf einmal dieser dichte Nebel her? Sie konnte das schiefe Tor nicht mehr erkennen. Selbst die Straße mit ihrer Laterne war nicht mehr zu sehen. Sie zögerte. Vielleicht sollte sie doch auf Mark warten? Quatsch. Nein, das war ihrs. Sie musste diese kindliche Urangst bewältigen.
Sie drückte gegen die Eingangstür. Sie klemmte. Im Laufe der vielen feuchten Jahre hatte sie sich stark verzogen. Anna drückte mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Sie öffnete sich leicht. Noch ein Stück, noch ein kleines Stückchen. Das musste reichen. Sie drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in der Vorhalle. Sie knipste ihre Stirnlampe an und schaute sich um. Die Natur hatte sich schon viel zurück erobert. Durch die Fenster waren die Äste der Bäume gedrungen. In den Bodenritzen hatten einige Samen fruchten können und den Boden in eine Art Moosteppich verwandelt. Es sah bezaubernd aus. Die Treppe nach oben erinnerte sie an den Film Vom Winde verweht. Der Teppich könnte auch mal rot gewesen sein und das Fenster im Zwischenstockwerk war leider schon Blind vor Schmutz.

Anna betrat die erste Stufe als sie ein Wispern vernahm. „Anna. “ Hauchte es durch die Halle. Sie drehte sich erschrocken um. Nichts. Kein Schatten, oder eine Person. Sie war alleine. Vermeintlich alleine. Sie wusste, dass solch leer stehende Häuser gerne von Besetzern oder Obdachlosen genutzt wurden. Probleme hatte sie aber nie mit einem von ihnen. Sie posierten eigentlich ganz gerne vor der Kamera und gaben auch mal ihre Geschichten zum Besten. Hier schien sich niemand eingenistet zu haben. Keine Matratzen, Zelte oder dazu passender Unrat. Das Haus war unbeschmutzt. Nur die Natur hatte sich getraut einzudringen.
Ein Schauer lief Anna über den Rücken. Schnell holte sie ihre Kamera aus dem Rucksack und setzte sie auf die Stirn. Das Handy war bereit für den Livestream. Sie wollte schnell wieder raus hier. Ein ungutes Gefühl verfolgte sie. „Hallo Leute. Wie versprochen heute aus meinem Heimatdorf. Diese Villa hat mich als Kind schon fasziniert und geängstigt. Heute sage ich dieser Angst den Kampf an. Es wird Zeit die Dämonen der Kindheit zu vertreiben.“ „Anna.“ Hauchte es wieder. Sie drehte sich schnell um. Wieder nichts. „Habt ihr das auch gehört? Ist das unheimlich, oder was? Ich will euch nichts vormachen. Ich bin froh, wenn ich hier wieder draußen bin. Ich hätte vielleicht auf Mark hören und auf ihn warten sollen. Aber ihr wisst ja wie ungeduldig ich sein kann. Wollen wir mal sehen wie es hier so aussieht. Kommt mit und erkundet diese hübsche Villa mit mir. Sieht sie nicht toll aus. Die Natur hat sich das meiste schon wieder zurückgeholt. Überall Moos, Lianen, Baumschösslinge und wunderhübsche Pflanzen. Schaut, da scheint die Sonne herein. Was für ein Bild.“ Anna drehte sich und streckte die Arme in Richtung eines Oberlichts aus. Dort konnte man sehen wie die Sonne sich durch die Blätter, die auf der Scheibe lagen, kämpfte und geradlinig ihren Weg nach innen fand. Sie verwandelte die Vorhalle in ein Märchenhaftes Bild. Es fehlten nur noch die kleinen tanzenden Feen und kleine Gnome, die mit ihnen versuchten mitzuhalten.

Ein Schatten legte sich über das Bild. Es wurde kalt und Anna begann zu zittern. „Wow, Leute. Jetzt wird es hier aber empfindlich kalt. Könnt ihr meinen Atem sehen?“ Anna pustete hörbar aus und ein weißer Nebel verließ ihre Lippen. Sie fing an zu zittern. „Verdammt. Warum wird das so kalt hier? Also seit mir nicht böse – ich habe meine Angst überwunden und fühle mich hier irgendwie nicht wohl. Ich gehe mal besser. Vielleicht komme ich mit Mark noch mal her – aber mir war eh nur wichtig, einfach mal hier zu sein und das abhaken zu können. Erledigt. Es wird Zeit zu gehen. Ich lasse die Kamera noch bisschen mitlaufen. Denkt dran. Abonniert meinen Kanal und denkt dran auf das Glöckchen zu klicken, dann werdet ihr immer benachrichtigt, wenn es was Neues von mir gibt. Es gibt kein Abenteuer im Leben, das es nicht lohnt zu leben. Bussi.“ Anna stellte den Ton aus. Sie würde später Musik unter die Bilder legen. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich raus, aber etwas zog sie nach oben. Ach was soll´s, ein Blick in die obere Etage wird schon nichts ausmachen.
Sie rannte nach oben. Im ersten Stock gingen mehrere Türen vom Flur ab. Sie wollte wenigstens in ein paar hineinschauen. Gleich die erste öffnete sie und trat ein. Es war fantastisch. Die Möbel waren alle noch vorhanden und sogar noch recht gut erhalten. Sie ging in den Raum hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Erschrocken drehte sie sich um. „Puh. Verdammt bin ich erschrocken.“ Sie drehte sich zur Tür um sie zu öffnen. Sie klemmte. Eine leichte Unruhe überfiel sie. Leicht hektisch zog sie an der Tür. Sie öffnete sich so plötzlich, dass sie fast hingefallen wäre. Schnell verließ sie das Zimmer und atmete tief aus. Aber wo war sie? Das war nicht der Flur aus dem sie kam. Es war ein anderes Zimmer. Sie ging zurück und befand sich schon wieder in einem anderen Zimmer. Die Tür schloss sich leise und vor ihr öffnete sich eine andere. Schnell ging sie darauf zu und befand sich wieder in einem anderen Zimmer. Dieser Vorgang wiederholte sich unzählige Male. Sie stellte den Ton des Livestreams wieder an. „Leute. Hier geschieht etwas Seltsames. Ich komme nicht mehr aus dem Haus heraus. Von einem Zimmer komme ich in das nächste und das nächste. Ich finde keinen Ausgang. So langsam bekomme ich doch Panik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich Schatten verfolgen. Was soll ich nur machen. Wie soll ich hier denn den Ausgang finden? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Tränen drückten sich hervor. Aber sie schluckte sie hinunter. Sie wollte nicht vor ihren Followern anfangen zu weinen. Sie war eine taffe Urban Explorerin. So leicht ängstigte sie nichts, oder?

„Ich weiß gar nicht, ob ihr mich überhaupt seht? Seht ihr mich? Schreibt es in den Live Chat. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich, wie ich hier wieder raus komme. Habt ihr so was schon mal erlebt?“ Sie verfolgte den Live Chat. Es kamen, wie schon erwartet, keine hilfreichen Tipps herein. Fake und ähnliches wurde ihr vorgeworfen. Aber es war kein Fake. Sie versuchte Stundenlang eine Tür nach der anderen. Aber keine führte zurück in das Treppenhaus. Verzweifelt setzte sie sich in eine Ecke. Sie blickte an den Wänden entlang. Dort stand was. Schnell stand sie auf. Die Kamera zeichnete weiter auf und die Klicks schnellten in die Höhe. Es war ihr Rekord. Sie blickte an die Wand. Mit ihrer Hand schob sie die einzelnen Blätter davor weg. „Wenn es dunkel wird, kommen sie. Dann verstecke dich. Verstecke dich!“
Entsetzt blickte sie die Schrift an. Es wurde dunkel. Was würde kommen? Wo sollte sie sich verstecken? „Habt ihr das gelesen? Oh Gott. Ich bekomme doch so langsam Angst. Ich schalte ab. Mein Akku wird sonst nicht durchalten. Ich melde mich bei euch, sobald ich wieder draußen bin. Bleibt aufmerksam. Bussi.“
Anna war panisch. Ihr Atem ging schneller und sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie setzte sich und steckte ihren Kopf zwischen die Knie – tief ein-, tief ausatmen. Da hörte sie es. Flüstern und raunen. „Anna?“ Panisch blickte sie sich um. Es gab nicht viel sich zu verstecken. Dort. Dort stand ein alter Schrank. Schnell versteckte sie sich darin. Spinnweben strichen über ihre Stirn und sie hoffte, dass die Bewohnerin nicht auf sie fallen würde. Sie atmete ganz flach um bloß keine Geräusche zu machen. Schritte und Schlurfen konnte sie vor dem Schrank hören. Sie hielt die Luft an. Bitte, bitte, öffne nicht diese Tür. Betete sie in Gedanken.

Es schien zu helfen. Die Geräusche entfernten sich. Ausatmen – Einatmen. Sie wusste nicht wie lange sie in diesem Schrank ausharrte. Gefühlte Ewigkeit später öffnete sie vorsichtig die Tür. Es dämmerte, der Morgen brach an. Schnell ging sie hinaus und öffnete die Tür. Wieder ein anderes Zimmer. Tränen rollten ihre Wange hinunter. Es gab keinen Weg mehr hier raus. Sie war gefangen. Sie startete die Kamera und machte eine letzte Aufnahme.
„Hallo Leute. Schön, dass ihr heute wieder einschaltet. Das wird wohl meine letzte Aufnahme werden. Der Akku gibt bald seinen Geist auf und ich glaube nicht, dass ich hier eine Möglichkeit zum Laden bekommen werde. Aber wer weiß, vielleicht hat auch die Hölle Strom. Hahaha. Ähm. Die Nacht war gruselig. Ich hab seltsame Geräusche gehört und einige Gestalten sind um meinen Schrank geschlichen. Ich weiß nicht was mich erwartet, wenn sie mich finden. Ich hoffe es nie zu erfahren. Wenn ich hier nicht herauskomme, wird es wohl doch mal vorkommen. Tja, was soll ich sagen? Urban Explorer leben gefährlich. Das hier ist wohl mein Aus. Mark, wenn du dass siehst. Es tut mir leid. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich liebe dich. Vergiss mich nicht. Vergesst mich alle nicht. Und kommt bloß nicht her – das Haus lässt einen nicht mehr raus. Vielleicht findet irgendwann mal ein anderer Explorer meine Gebeine. Lebt euer Leben, aber passt auch auf euch auf. Ich liebe euch alle und danke für eure Treue und die vielen tollen Kommentare. Ich werde euch alle vermissen. Pft.“ Der Akku war leer. Die letzte Aufnahme von Anna wurde hochgeladen.

Niemand hat sie je wieder gesehen. Es gingen viele Gerüchte umher. Es sei Fake und sie hätte sich einfach nur abgesetzt. Oder sie sei gestorben. Manche aber glaubten ihr.

© 2019 Rina

Wir werden immer da sein

Posted in Horror/Grusel with tags , , , , , , on 27. September 2019 by Wortman

Ich stand vor meinem neuen, oder eher uralten Haus. Aber es war meins. Ich bin irgendwann mal beim Spazieren gehen vom meiner gewohnten Route abgewichen und auf einer verlassenen Seitenstraße auf dieses uralte Haus gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die blinden Scheiben und schiefen Rollläden – sie wirkten so traurig. Ich musste es einfach wieder herrichten. Es war wirklich klein. Aber ich war alleine und wie viel Platz braucht ein Mensch denn? In wieviel Räumen halte ich mich denn auf? Genau.

Ich rief also den Makler an, und keine zwei Wochen später gehörte dieses kleine, verkannte Schmuckstück mir. Als ich den alten Schlüssel in das Schloss steckte und die Tür mit der Schulter aufstieß kam mir ein Stöhnen entgegen. Ein gequältes, oder ein aufatmendes? Das konnte ich nicht unterscheiden. Ich hatte eigentlich schon immer eine Lebhafte Fantasie. Deswegen konnte ich in diesem alten Gemäuer, das frühere Leben direkt vor mir sehen. Eine kleine, arme Familie, die sich um den Tisch versammelte um gemeinsam über ihren Tag zu sprechen und zu essen.

Das war aber schon lange Zeit her. Drinnen sah es schon ziemlich herunter gekommen aus. Aber die Bausubstanz war in Ordnung. Es waren wirklich nur Schönheitsreparaturen. Und ich würde gleich mal anfangen. Ich schnappte mir aus dem Auto den Besen und fegte erst einmal. Es gab hier nur einen Dachboden und das Erdgeschoss. Im Erdgeschoss befand sich die Küche. Eine sehr schön große Küche, die ein tolles Fenster zum Garten hatte. Die restlichen Räume waren ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin, ein kleines ausreichendes Bad und ein Schlafzimmer. Perfekt. Ich war fleißig dabei zu kehren, als sich seltsame Kratzgeräusche aus der Wand bemerkbar machten.

Urg – das würden wohl Mäuse oder Ratten sein. Die Natur holte sich natürlich so ein lang leerstehendes Haus zurück. Darum würde ich mich später kümmern. Heute war ich voll und ganz mit dem Kehren und schon entrümpeln des Erdgeschosses beschäftigt. Für morgen hatte ich mir die Sichtung des Dachbodens vorgenommen. Da wäre bestimmt auch noch so einiges an Gerümpel, der entsorgt werden könnte. Und bestimmt wimmelte es dort von Spinnweben. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Ja – die Natur halt. Ich würde es überstehen.
Als ich fertig war, sah es schon wesentlich besser aus. Bisschen Farbe an die Wand und meine Möbel, dann wäre es ein kleines Paradies. Ich schloss die Eingangstür hinter mir und verließ das Haus.

Am nächsten Morgen war ich schon früh dort um weiter zu machen. Ich wollte ja so schnell wie möglich einziehen. Ich stand vor der Treppe zum Dachboden. Dachböden hatten irgendwie immer was Unheimliches – genau wie Keller. Das kommt von den vielen Horrorfilmen, dachte ich mir. Ich straffte die Schultern und ging nach oben. Die Tür knarrte beim Öffnen und ich hielt den Atem an um zu horchen. Was wollte ich denn hören? Ob sich ein Serienmörder dort versteckt hielt. Ich schüttelte lachend den Kopf. Konnte aber nicht anders, als laut redend einzutreten. „Dann werden wir mal sehen, ob vielleicht die Männer vom Trödeltrupp hier auftauchen können und ich hier paar Schätze besitze.“ Ein unsicheres Lachen entschlüpfte mir. Ich knipste die Lampe an – Strom und Licht. Das war doch schon mal was.

Wie erwartet, sah es hier schon sehr gruselig aus. Eine alte Schneiderpuppe stand in der einen Ecke. Ein altes Schaukelpferd und ein alter Vogelkäfig befanden sich ebenfalls dort. Haufen alte Koffer und sonstiges Gerümpel. Ich seufzte. Das wäre noch ein bisschen Arbeit. Ich ging weiter und hinter einem Kofferschrank stand ein kleines Tischchen mit einem Stuhl und einer ganz alten manuellen Schreibmaschine. Neben der Maschine lag ein Stapel beschriebener Blätter und einige waren noch eingespannt. „Uh – ein unentdecktes Werk – vielleicht eines bekannten Autors? Das wäre doch mal was. Oder es ist einfach nur eine Aufstellung der Ein – und Ausgaben. Das schau ich mir an.“

Ich ging zur Maschine und fröstelte. Irgendwo war es wohl undicht. Es zog gehörig. Deswegen schnappte ich mir die Blätter und ging schnell wieder hinunter. Dieser Dachboden war unheimlich. Zuviel Schatten und definitiv zu viel Spinnweben.
Ich hatte mir von zu Hause einen bequemen Campingstuhl, einen kleinen Tisch und eine große Kanne Kaffee mitgebracht. Nach dem Grusel, war wirklich Zeit für eine kleine Pause. Ich ignorierte die kleine Stimme im Kopf, die mich darauf hinwies, dass ich noch gar nichts gearbeitet hatte.
Gemütlich in dem breiten Campingstuhl, nahm ich mir die Blätter vor. Es gab keinen Titel. Nun gut. Ich fing an zu lesen.

07.Mai

Ich muss unbedingt aufschreiben was hier passiert. Seit ich hier wohne geschehen seltsame Dinge um mich herum. Gegenstände wurden bewegt. Türen knallen und die Bodendielen knarzen. Irgendjemand ist im Haus. Ich hab der Polizei schon bescheid gesagt. Sie haben so einen Jüngling hergeschickt. Der hat alle Räume durchsucht. Nichts. Keiner hier. Aber was sind das für Geräusche und wieso stehen die Dinge immer an anderen Stellen. Ich glaube ich werde langsam verrückt. Das ist das Haus. Ich hätte nie hier einziehen sollen.

Ich bekam eine Gänsehaut. Diese Person wirkte so verängstigt, dass ich selbst Angst bekam. Ich schaute mich um. Im Hintergrund konnte ich das Kratzen in den Wänden hören. Das war unheimlich. Gleich morgen würde ich den Kammerjäger anrufen. Ich liebe ja Tiere – aber sie müssen nicht in meinen Wänden leben. Für heute hatte ich genug. Ich brauchte eine Pause. Schnell packte ich meine Sachen und verließ mein zukünftiges Zu Hause, das gerade ein bisschen finsterer geworden war.
Ich traute mich kaum weiter zu lesen. Aber innerlich zog mich etwas an die Seiten. Ich musste wissen, was da noch stand.

08. Mai

Mir geht es gut. Wahrscheinlich waren es nur die Nerven. Zuviel strömt auf mich ein. Das Haus, mein Ex und die Renovierungen. Das ist bisschen viel. Arbeiten muss ich ja auch noch. Aber ich liebe das Haus. Obwohl es mir schon ziemlich Angst macht hier alleine. Aber der Arzt hat mir Angstlöser verschrieben und gemeint, das wären die Nerven. Also – soll mal einer sagen, es gibt kein Kraut, oder eine Pille für jede Krankheit, oder Narretei. Was war das? Die Tür, ich hab sie doch abgeschlossen, oder? Wenn ich sie abgeschlossen habe, wie konnte jemand……

Oh Gott. Ich traute mich kaum noch in mein Haus. Verdammt. Hätte ich doch diese Seiten niemals gefunden. Aber mir blieb nichts übrig. Die Renovierungen schritten voran und mein Umzugstermin stand fest. Die letzten Dinge wollte ich machen, wenn ich eingezogen war. War das eine gute Idee. Ja, natürlich. Ich hatte schließlich das Haus wegen seines leicht gruseligen Charmes gekauft. Also dann musste ich auch damit leben, oder?
Ein paar Tage mied ich das Haus, und schob das Einpacken als Ausrede voran. Ich musste schließlich alles verpackt haben, wenn der LKW kam.

Dann war es soweit. Der fünfte Mai. Ich war aufgeregt. Die Männer packten alles in den Wagen und ich legte den Schlüssel unter die Fußmatte. Ein letzter Blick in meine alte Behausung, ein kleiner Abschied und ich zog die Tür ins Schloss. Einer neuen Zukunft entgegen.

Am Haus angekommen, hatten die Männer der Umzugsfirma, das meiste schon in die Zimmer verteilt. Viel hatte ich ja nicht – aber das reichte aus. Als alle weg waren, schloss ich die Tür, ging ins Bad und ließ Wasser in die Wanne laufen. Ein warmes Bad, danach lechzte ich. Und einen leckeren Entspannungstee. Heute würde ich nicht alt werden. Ich freute mich schon darauf, die erste Nacht in meinem Heim zu verbringen.

In der Wanne schlief ich schon fast ein, als mich ein knarzen schlagartig hellwach werden ließ. Ich setzte mich auf. „Hallo?“ Schnell stand ich auf und griff nach meinem Bademantel. Ich schaute mich im Bad um, ob ich etwas als Waffe verwenden konnte. Eine Schere. Besser als nichts. Im Bademantel, nasse Fußspuren hinterlassend ging ich vorsichtig aus dem Raum. Ich hielt den Atem an um zu lauschen. Da war nichts mehr zu hören. „Ein altes Haus, das arbeitet. Mensch Mädchen, stell dich nicht so an.“ Ich atmete aus, ging zurück um mich schnell anzuziehen. Danach ging ich schneller als normal in mein Schlafzimmer. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel. Nur für den Fall.

09. Mai

Alles ist gut. Alles wird gut. Ich bin sicher, das Haus ist sicher. Keiner ist hier. Nur ich. Nur ich. Vielleicht. Vielleicht noch, ach nein. Ich schwebe. Die Tabletten sind toll. Ich kann wieder schlafen. Nur meine Träume sind verstörend. Aber es sind ja nur Träume. Träume sind Schäume. Diese seltsamen Gestalten sind nur Produkte meiner Fantasie, sagt mein Arzt. Vielleicht, meint er, sollte ich mal eine Kur machen. Aber ich hab doch so ein hübsches Haus. Das ist doch wie eine Kur. Und die vielen Besucher nachts. Mit ihnen kann ich reden. Sie hören mir zu. Keiner hört mir zu – aber sie tun das. Ja. Sie sind wie meine Familie.

10. Mai

Ich habe Angst. Meine neue Familie, hier im Haus – sie wollen, dass ich bleibe. Das ich mit ihnen komme. Sie zerren an mir. Sie reißen an mir. Sie ziehen mich an die Wand – in die Wand. Ich kann ihnen nicht entkommen.
Und für dich…..ist es auch zu spät. Du bleibst bei uns und wirst Teil unserer Familie. Wir lieben dich. Für immer. Ahahahahahahahahahar.

Draußen vor der Tür war ein seltsames Hämmern zu hören. Ich kratze an der Wand um einen Blick nach draußen zu haben. Der Makler. Er hämmerte ein Schild in den Rasen: „Zu Verkaufen.“

© 2019 Rina

Gefangen

Posted in Geschichten Allgemein with tags , , , , , on 25. September 2019 by Wortman

Da war es wieder. Wie er es haßte. Es, dieses leichte Vibrieren unter seinen Füßen. Jedesmal, wenn diese Vibrationen verstummten, dauerte es wieder nur Sekunden, bis etwas Metallisches in ihn eindrang. Manchmal auch sehr schnell hintereinander.
Dann wurde ihm wieder einmal bewußt, daß er wohl ewig gefangen war.
Wieder einmal versuchte er, was er für seine Beine hielt, in Bewegung zu setzen. Doch sie rührten sich nicht. Wie gerne würde er fortlaufen. Irgendwohin, wo es ruhig, friedvoll und schön war. Wo er nicht mehr mit diesen metallenen Dingern malträtiert wurde. Wo er ganz er selbst sein konnte.
Seine Augen. Jeder Versuch, etwas zu sehen, endete mit der Erkenntnis, wieder einmal nur seltsame, kleine bunte Bilder wahrzunehmen, die sie mochten. Sie, die ihm wieder einmal dieses Metall in seinen Körper steckten.
Er wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen. Die Vibrationen waren verstummt. Schon spürte er das Metall, wie es eindrang, langsam, dann immer schneller werdend, in seinem Körper nach unten rutschte. Dann durchdrang ihn der Schmerz eines Schlages. Er versuchte sich zurückzuhalten. Doch so sehr er sich auch bemühte, es hatte keinen Erfolg. Er mußte etwas aus seinem Inneren preisgeben. Es wurde ihm sofort weggenommen.
Das Vibrieren unter seinen Füßen entfernte sich wieder. Die Ruhe kehrte zurück. Eine trügerische Ruhe. Denn jederzeit konnten sie zurückkommen. Er träumte wieder von einem Ort, wo es friedvoll war.
Irgendwann werde ich auch dort sein!
Dieser Gedanke war es, der ihn all diese Qualen erdulden ließ.

Wer sagt, daß ein Zigarettenautomat keine Seele hat?

© 2001 by T.R. aka Wortman

Chroniken der Finsternis – Die Trilogie

Posted in Filme/Serien with tags , , , , , , , , , , , , , , , , on 3. August 2019 by Wortman

#1 DER SCHWARZE REITER
1829: Nikolai Gogol ist Schriftsteller, hat in diesem Beruf aber keinen Erfolg. Sein Geld verdient er mit der Dokumentierung von Mordfällen bei der Polizei. Hier ist er ein Ass, weil er an Tatorten Visionen hat, die zur Aufklärung der Fälle beitragen. Seit seiner Kindheit wird Nikolai von solchen Visionen geplagt.
Der berühmte Ermittler Yakow Guro bemerkt die Gabe des jungen Kollegen und nimmt ihn mit in das kleine Dorf Dikana, damit Nikolai dabei hilft, eine Mordserie an drei jungen Frauen aufzuklären. Nikolai und Yakow decken ein dunkles Geheimnis auf…

#2 DER DÄMONENJÄGER
Gogol Nikolai, der Visionen hat, wenn er mal wieder einen seiner brutalen epileptischen Anfälle durchlebt, ist mit seiner Fähigkeit nach wie vor eine große Hilfe bei Ermittlungen.
Diesmal wird er auf die Spur eines Serienkillers angesetzt, der bereits elf Frauen ermordet hat. Im Dorf wird behauptet, der Killer sei einer der apokalyptischen Reiter. Während Gogol ermittelt, erleidet er immer makabre Visionen. Und plötzlich erfährt er auf diese Art, wer das nächste Opfer des Killers wird…

#3 BLUTIGE RACHE
Während das Leben von Gogols Geliebter Lisa auf dem Spiel steht, müssen Gogol und seine Helfer versuchen, einen mächtigen Hexenmeister zu besiegen und einen Fluch zu brechen, um die Mächte des Bösen zu bannen…

Quelle: Youtube
© Alive AG